»Wohin man blickt: Die Lage ist schwierig und bedrohlich«
Dr. Hans Bellstedt hat ein Buch über Freiheit geschrieben. Er erklärt, was unsere Gesellschaft zusammenhält und wie unsere Demokratie stark bleibt.

Von Stephan Johnen
Dr. Hans Bellstedt hat ein Buch über Freiheit geschrieben.
Das Buch heißt: „Die Vermessung der Freiheit“.
In dem Gespräch geht es um viele Krisen:
- Die Erde wird immer wärmer.
- Die Wirtschaft in Deutschland ist schwach.
- Viele Staaten werden von autoritären Regierungen geführt.
Autoritär bedeutet:
Eine Regierung will sehr viel Macht haben.
Sie lässt oft wenig Kritik und wenig Freiheit zu.
Auch die Rente macht vielen Menschen Sorgen.
Früher haben Politiker gesagt: Die Rente ist sicher.
Heute zweifeln viele Menschen daran.
Viele fragen sich:
Geht es uns in Zukunft schlechter?
Ist 2026 ein sehr schlimmes Jahr?
Frage:
Hans, 2025 war für viele Menschen ein schlechtes Jahr.
Wenn wir pessimistisch bleiben:
Wie schlimm wird 2026?
Hans Bellstedt:
Die Wirtschaft ist 2025 nicht gewachsen.
Man sagt dazu: Nullwachstum.
Auch 2026 bleibt die Lage schwierig.
Die Regierung macht neue Schulden.
Mit dem Geld will sie die Wirtschaft stärken.
Aber wir wissen noch nicht: Hilft das wirklich auf Dauer?
Frage:
Stehen wir am Abgrund?
Und werfen wir einfach Geld hinein?
Hans Bellstedt:
Der Staat macht immer mehr Schulden.
Dann muss der Staat auch immer mehr Zinsen zahlen.
Zinsen sind Geld, das man zusätzlich zurückzahlen muss, wenn man sich Geld geliehen hat.
Die Schulden können auf bis zu 90 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen.
Wirtschaftsleistung bedeutet: Wie viel ein Land in einem Jahr erwirtschaftet.
Deutschland steht damit noch besser da als Frankreich oder Italien.
Aber die Finanzmärkte könnten nervös werden.
Dann könnten die Zinsen für Staatsanleihen steigen.
Staatsanleihen sind eine Art Kredit an den Staat.
Bald könnte der Staat bis zu 10 Prozent seines Haushalts nur für Zinsen ausgeben.
Das ist sehr viel Geld.
Frage:
Gibt es noch weitere große Probleme?
Hans Bellstedt:
Ja.
Ein großes Problem ist die demografische Entwicklung.
Demografie bedeutet: Wie sich die Bevölkerung verändert.
Zum Beispiel:
- Wie viele junge Menschen gibt es?
- Wie viele ältere Menschen gibt es?
In den 1960er-Jahren war die Lage anders.
Damals zahlten bis zu 6 Menschen in die Rentenkasse ein.
Und daraus wurde die Rente für 1 Rentner bezahlt.
Heute zahlen nur noch etwa 2 Menschen für 1 Rentner ein.
In Zukunft werden es vermutlich noch weniger.
Darum kommt unser Rentensystem unter Druck.
Auch die Krankenversicherung und die Pflegeversicherung haben große Probleme.
Frage:
Reicht das jetzt mit den schlechten Nachrichten?
Hans Bellstedt:
Leider nicht.
Auch das Klima macht große Sorgen.
Die Erde wird weiter wärmer.
Ein Grund ist: Viele Länder stoßen weiter viel CO2 aus.
CO2 ist ein Gas.
Es entsteht zum Beispiel beim Verbrennen von Kohle, Öl und Gas.
Zu viel CO2 verstärkt die Erderwärmung.
Dann gibt es noch große Gefahren in der Weltpolitik.
Viele autoritäre Herrscher wollen die internationale Ordnung verändern.
Internationale Ordnung bedeutet: Länder halten sich an gemeinsame Regeln.
Zum Beispiel an Verträge und Menschenrechte.
Wladimir Putin in Russland ist ein Beispiel.
Auch China spielt eine große Rolle.
Donald Trump steht für eine andere Art von autoritärer Politik.
Aber auch diese Art ist gefährlich.
Dazu kommen Erdogan in der Türkei, der Iran und Nordkorea.
Früher hatten große Demokratien mehr Einfluss auf die Welt.
Heute bestimmen autoritäre Regierungen stärker mit.
Das macht Europa großen Druck.
Wohin man blickt: Die Lage ist sehr schwierig und bedrohlich.
Frage:
Krisen gab es immer.
Ist die Lage heute wirklich besonders?
Hans Bellstedt:
Konflikte zwischen Staaten gibt es schon sehr lange.
Auch autoritäre Regierungen sind nicht neu.
Neu ist aber: Autoritäre Regierungen werden gerade in vielen Teilen der Welt stärker.
Und das passiert sehr schnell.
Darauf sind wir nicht gut vorbereitet.
Frage:
Demokratie wirkt für manche Menschen nicht mehr attraktiv.
Warum sollen wir uns nicht auf autoritäre Populisten einlassen?
Hans Bellstedt:
Weil nur die Demokratie unsere Freiheit schützt.
In einer Demokratie können wir uns gegen Willkür wehren.
Willkür bedeutet: Mächtige Menschen entscheiden einfach nach Lust und Laune.
Ohne Recht und Regeln.
In einer Demokratie können wir unsere Menschenwürde einfordern.
Darauf möchte ich niemals verzichten.
Freiheit ist eine große Errungenschaft.
Sie kommt aus der Zeit der Aufklärung.
Aufklärung bedeutet:
Menschen sollen selbst denken.
Sie sollen frei sein.
Und sie sollen nicht blind Autoritäten folgen.
Unsere Gesellschaft lebt von:
- Offenheit.
- Respekt vor jedem einzelnen Menschen.
- Freiem Willen.
Das müssen wir verteidigen.
Denn Freiheit verteidigt sich nicht von allein.
Frage:
Wer rettet uns?
Kommt jemand von außen und hilft uns?
Hans Bellstedt:
Nein.
Wir müssen unsere offene Gesellschaft selbst retten.
Offene Gesellschaft bedeutet:
Menschen dürfen verschieden sein.
Sie dürfen frei sprechen.
Sie dürfen mitbestimmen.
Wir müssen uns gegen totalitäre Versuchungen stellen.
Totalitär bedeutet:
Der Staat will alles kontrollieren.
Auch das Denken und Leben der Menschen.
Das Problem ist: Menschen können verführt werden.
Viele Menschen sind müde.
Es gab viele Krisen in den letzten Jahren.
Viele fühlen sich unsicher.
Dann wirken einfache Antworten verlockend.
Populisten von rechts und links nutzen das aus.
Populisten sagen oft: Wir haben einfache Lösungen für alle Probleme.
Und sie machen Stimmung gegen andere Menschen.
Über Soziale Medien werden Menschen gezielt beeinflusst.
Manche glauben am Ende das, was Populisten versprechen.
Frage:
Was macht unsere Gesellschaft wieder stark?
Hans Bellstedt:
Drei Dinge sind wichtig:
- Erstens: Bessere Bildung.
- Zweitens: Eine stärkere Wirtschaft.
- Drittens: Wir müssen wieder besser miteinander diskutieren können.
Kritisches Denken ist sehr wichtig.
Kritisch denken bedeutet:
Man prüft Informationen.
Man glaubt nicht sofort alles.
Man fragt nach Gründen und Belegen.
Das macht uns widerstandsfähiger.
Dann fallen wir nicht so leicht auf einfache Parolen herein.
Frage:
Autoritäre Regierungen sagen manchmal: In Deutschland gibt es Zensur.
Und die Meinungsfreiheit wird unterdrückt.
Stimmt das?
Hans Bellstedt:
Trump und Vance übertreiben.
Sie denken dabei auch an die Interessen großer Internet-Plattformen aus den USA.
Aber auch wir in Deutschland müssen aufpassen.
Wir dürfen nicht übertreiben.
Im Grundgesetz steht: Menschen dürfen ihre Meinung frei sagen.
Das Grundgesetz ist die Verfassung von Deutschland.
Darin stehen die wichtigsten Regeln für unseren Staat.
Meinungsfreiheit hat aber Grenzen.
Zum Beispiel: Man darf die Ehre anderer Menschen nicht verletzen.
Im Moment gibt es viele Menschen, die andere sehr schnell öffentlich kritisieren und verurteilen.
Ich finde diese Entwicklung nicht ungefährlich.
Ich bedauere: Wir finden in dieser Frage oft keine gute Mitte.

© Bistum Aachen/Andreas Steindl
Marliese Kalthoff, Hauptabteilungsleiterin im Bischöflichen Generalvikariat, würdigte die Analysen von Hans Bellstedt beim Unternehmerdialog des Bistums Aachen.
Frage:
Wollen wir das Richtige tun, handeln aber manchmal zu radikal?
Hans Bellstedt:
Ja, manchmal handeln wir wie Aktivisten.
Aktivisten setzen sich stark für ein Ziel ein.
Das kann gut sein.
Aber Politik muss auch auf die Folgen achten.
Manche Menschen denken: Meine gute Absicht reicht aus.
Aber eine gute Absicht darf nie der einzige Maßstab für Politik sein.
Das gilt zum Beispiel für:
- Klimapolitik.
- Außenpolitik.
- Entwicklungspolitik.
Frage:
Zurück zur schwachen Wirtschaft:
Hat Deutschland zu lange von alten Erfolgen gelebt?
Hans Bellstedt:
Ja, teilweise.
Deutschland war lange sehr stark bei:
- Autos.
- Maschinen.
- Chemie.
Vieles lief fast von allein.
Aber China und andere Länder haben stark aufgeholt.
Bei Elektroautos sind sie heute zum Beispiel weiter als wir.
Auch der freie Handel hat große Probleme.
Freier Handel bedeutet: Länder können einfacher miteinander Waren verkaufen und kaufen.
Freier Handel und Wettbewerb helfen auch der offenen Gesellschaft.
Sie machen uns stärker.
Ich warne deshalb vor Abschottung.
Abschottung bedeutet: Ein Land macht sich zu und handelt weniger mit anderen Ländern.
Ich wünsche mir wieder mehr Freude an Leistung.
Frage:
Das klingt gut.
Aber wollen junge Menschen vielleicht nicht mehr ihr ganzes Leben nur arbeiten?
Hans Bellstedt:
Wir müssen ernst nehmen, was junge Menschen erlebt haben.
Die Corona-Zeit war für viele sehr belastend.
Das dürfen wir nicht unterschätzen.
Die ganze Gesellschaft ist verletzlicher geworden.
Vielleicht hat das auch mit der Angst vor dem Klimawandel zu tun.
Dazu kommt:
Viele junge Menschen glauben nicht mehr daran, dass es ihnen später automatisch gut geht.
Früher gab es dieses Versprechen: Wenn du dich anstrengst, wirst du Wohlstand erreichen.
Heute gilt das nicht mehr für alle.
Manche junge Menschen haben gute Abschlüsse.
Trotzdem finden sie keinen guten Job.
Das verändert den Blick auf die Frage: Wie will ich leben?
Gleichzeitig treffe ich als Arbeitgeber viele junge Menschen, die sich sehr einsetzen.
Sie sind gut ausgebildet.
Und sie tun mehr als nötig, um die Welt etwas besser zu machen.
Vielleicht müssen eher wir Menschen über 60 uns verändern.
Nur dann können wir weiter gut mitreden.
Frage:
Welche Rolle kann die Kirche im Jahr 2026 spielen?
Für die Gesellschaft und für die Menschen?
Hans Bellstedt:
Ich war vor Kurzem in einem Weihnachtsgottesdienst in der Uckermark.
Das war ein sehr schönes Erlebnis.
Die Menschen dort wirkten froh.
Die christlichen Kirchen können Menschen bis heute Halt geben.
Sie können Orientierung geben.
Und sie können Hoffnung geben.
Kirche kann sagen: Die Welt geht nicht unter.
Deshalb ist Kirche für mich wichtig für unser Zusammenleben.
Ich mache mir Sorgen, weil immer weniger Menschen Mitglied in der Kirche sind.
Vor allem sehe ich keinen gleich guten Ersatz.
Viele Menschen klagen über die Kirchensteuer.
Aber wir sollten auch fragen: Was bekommen wir dafür?
Kirche hat auch mit der Stärke unserer freien Gesellschaft zu tun.
Wir können viel vom Staat erwarten.
Aber eine offene Gesellschaft braucht mehr als den Staat.
Sie braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Dazu gehören:
- Familien.
- Schulen.
- Nachbarschaften.
- Vereine.
- Ehrenamt.
- Kirche.
Ich würde mich freuen, wenn die Botschaft der Hoffnung wieder mehr Menschen erreicht.
Hinweis:
Dieser Text in Einfacher Sprache wurde mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt.
Er dient nur zur Information.
Er ist rechtlich nicht bindend.
Gültig ist nur das Original im Alltagssprach-Deutsch.



