Zu Besuch am rechten Rand
Die Journalistin und Podcasterin Sally Lisa Starken fragt: Warum wählen manche Menschen die AfD? Sie möchte die Gründe dafür verstehen.

© Daniel Dittus
„Wir müssen nicht jede Diskussion zu Ende führen. Aber wir sollten keiner Diskussion ausweichen“, sagt die Journalistin Sally Lisa Starken.
Die Journalistin Sally Lisa Starken sagt:
„Wir müssen nicht jedes Gespräch bis zum Ende führen.
Aber wir sollten Gesprächen nicht aus dem Weg gehen.“
Die AfD ist eine Partei.
Der Verfassungsschutz beobachtet die AfD.
Der Verfassungsschutz sagt:
Teile der AfD sind sicher rechtsextrem.
Rechtsextrem bedeutet:
Menschen werden abgewertet.
Zum Beispiel wegen ihrer Herkunft, Religion oder Hautfarbe.
Rechtsextreme Ideen sind gefährlich für die Demokratie.
Trotzdem wählen viele Menschen die AfD.
Warum ist das so?
Warum glauben manche Menschen:
Die AfD macht ihr Leben besser?
Und wie kann man diese Menschen wieder für Demokratie gewinnen?
Darüber hat Sally Lisa Starken ein Buch geschrieben.
Das Buch heißt:
„Zu Besuch am rechten Rand“.
In einem Gespräch mit der KirchenZeitung erklärt sie ihre Gedanken.
Frage:
Viele Menschen reden über die AfD.
Aber nicht mit Menschen aus der AfD oder mit AfD-Wählerinnen und AfD-Wählern.
Warum hast du für dein Buch mit ihnen gesprochen?
Sally Lisa Starken:
Ich habe als Journalistin viel über die AfD berichtet.
Ich habe erklärt, warum viele Aussagen der AfD problematisch sind.
Ich habe auch Argumente gegen die AfD gesammelt.
Aber mir fehlte ein wichtiger Teil:
Ich hatte nicht mit den Menschen gesprochen, die die AfD wählen.
Wenn wir das Problem verstehen wollen, müssen wir die Menschen besser verstehen.
Wir müssen fragen:
- Warum wählen sie die AfD?
- Wie leben sie?
- Welche Sorgen haben sie?
Über AfD-Wählerinnen und AfD-Wähler wird oft sehr allgemein gesprochen.
Das hilft aber nicht weiter.
So finden wir keine Wege, wie wir manche Menschen wieder für Demokratie gewinnen können.
Frage:
Wie hast du die Menschen für dein Buch ausgewählt?
Sally Lisa Starken:
Ich wollte verstehen:
Was passiert gerade in unserer Gesellschaft?
Welche Ängste gibt es?
Wo fühlen sich Menschen überfordert?
Viele Themen sind sehr schwierig.
Zum Beispiel:
Angst vor weniger Geld.
Angst vor sozialem Abstieg.
Angst vor Krieg.
Ich habe aber keine Menschen aus rechtsextremen Gruppen befragt.
Frage:
In Diskussionen gibt es oft ein sehr einfaches Bild vom typischen AfD-Wähler.
Wie sieht dieses Bild aus?
Sally Lisa Starken:
Es gibt verschiedene Bilder.
Ein häufiges Bild ist:
Alle AfD-Wählerinnen und AfD-Wähler seien rechtsextrem.
Das stimmt so nicht.
Viele Menschen haben Sorgen und Unsicherheiten.
Diese Menschen würde ich nicht automatisch rechtsextrem nennen.
Wenn man alle Menschen in eine Schublade steckt, übersieht man wichtige Unterschiede.
Menschen haben sehr unterschiedliche Leben.
Bei meiner Arbeit für das Buch habe ich eine Frau kennengelernt.
Sie war ungefähr so alt wie ich.
Ich dachte: Das hätte auch ich sein können.
Wir hatten ähnliche Möglichkeiten im Leben.
Aber wir sind unterschiedlich aufgewachsen.
Und wir haben unterschiedliche Antworten auf wichtige Fragen gefunden.
Das hat mich sehr bewegt.
Ich habe gesehen: Rechte Sprache und rechte Ideen können Menschen erreichen.
Frage:
Friedrich Merz spricht viel über Migration.
Geht diese Politik an den wirklichen Problemen vieler Menschen vorbei?
Sally Lisa Starken:
Friedrich Merz glaubt offenbar: Wenn die Politik das Thema Migration löst, dann gewinnt sie AfD-Wählerinnen und AfD-Wähler zurück.
Für ihn scheint Migration die Lösung für viele Probleme zu sein.
Und er sieht sich selbst weiter als Schutz gegen die AfD.
Ich glaube: Das ist die falsche Strategie.
Wenn demokratische Parteien nur über Migration sprechen, lassen sie sich von Rechtspopulisten treiben.
Rechtspopulisten machen einfache Antworten auf schwierige Fragen.
Sie schüren oft Angst.
Und sie tun so, als gäbe es für alles eine einfache Lösung.
Demokratische Parteien brauchen eigene Ideen.
Sie brauchen eigene Lösungen.
Sie müssen über das sprechen, was das Leben der Menschen wirklich besser macht.
Frage:
Welche Themen wären für den Wahlkampf wichtiger gewesen?
Sally Lisa Starken:
Wir sprechen zu wenig über Bildung.
Wir sprechen zu wenig darüber, wie Menschen gut alt werden können.
Wir sprechen zu wenig über die Zukunft.
Diese Themen werden oft verdrängt.
Stattdessen geht es fast nur um Migration.
Nach dem Ende der Ampel-Koalition in Berlin wurde ein Wahlkampf über Wirtschaft angekündigt.
Das wäre ein wichtiges Thema gewesen.
Dann hätte man über Inhalte sprechen können.
Aber der Wahlkampf ging in eine andere Richtung.
Das finde ich ein großes Problem.
Frage:
Wenn alle Parteien über Migration sprechen:
Warum sollen Menschen dann nicht gleich die AfD wählen?
Sally Lisa Starken:
Viele Menschen erleben ständig Krisen.
Sie fühlen sich überfordert.
Sie suchen Antworten.
Das größte Problem ist: Wir streiten fast nur über Migration.
Dabei brauchen wir Ideen für die Zukunft.
Zum Beispiel:
- Wie wollen wir gut zusammenleben?
- Wie soll Arbeit in Zukunft aussehen?
- Wie schützen wir Menschen vor Armut?
Viele Parteien haben Ideen dazu.
Aber viele Menschen kennen diese Ideen nicht.
Sie stehen oft nur in Wahlprogrammen.
Im Fernsehduell haben Olaf Scholz und Friedrich Merz lange über Migration gesprochen.
Das Wort Abschiebung kam sehr oft vor.
Wenn demokratische Parteien die Wünsche und Sorgen der Menschen nicht ernst nehmen, nutzen rechte Parteien diese Lücke.
Frage:
Du erklärst jungen Menschen in deinem Podcast Politik.
Du hast gesagt: Kommunalpolitik ist mehr als Politik von „alten weißen Männern“.
Wenn man sich ein Kanzlerduell anschaut, denkt man aber schnell wieder an genau dieses Bild.
Sally Lisa Starken:
Politik sollte zeigen, wie unterschiedlich die Menschen in unserem Land sind.
Der Bundestag sollte die Gesellschaft gut abbilden.
Frage:
Tut der Bundestag das?
Sally Lisa Starken:
Nicht genug.
Es gibt zu wenige Menschen mit Migrationsgeschichte.
Es gibt zu wenige Menschen mit Behinderung.
Es gibt zu wenige Frauen.
Aber genau diese Erfahrungen und Sichtweisen sind wichtig.
Eine gute Politik braucht sie.
Die Parteien müssen sich fragen:
- Wie erreichen wir junge Menschen?
- Wie erreichen wir Menschen mit Migrationsgeschichte?
- Wie öffnen wir uns für mehr verschiedene Menschen?
In der Politik geht es oft um Macht.
Politikerinnen und Politiker brauchen Aufmerksamkeit, wenn sie etwas verändern wollen.
Aber Machtkämpfe können auch dazu führen: Wichtige Themen bekommen zu wenig Platz.
Frage:
Warum erreicht die AfD offenbar viele junge Menschen so gut?
Sally Lisa Starken:
Die AfD hat verstanden, wie man junge Menschen erreicht.
Sie weiß, wie Soziale Medien funktionieren.
Sie versteht die Regeln von Plattformen wie TikTok.
Die AfD nutzt Methoden, die auch Donald Trump benutzt.
Reden werden zum Beispiel so geschrieben, dass man kurze Ausschnitte direkt auf TikTok zeigen kann.
Die AfD gibt viel Geld dafür aus.
Auch für Schulungen.
Sie greift passende Schlagzeilen schnell auf.
Ihre Botschaften sind einfach.
Sie bleiben im Kopf.
Lange hatte die AfD damit leichtes Spiel.
Aber inzwischen versuchen auch andere Parteien, besser in Sozialen Medien zu werden.

© Heyne Verlag
Ihr Buch
"Zu Besuch am rechten Rand. Warum Menschen AfD wählen"
ist im HEYNE-Verlag erschienen.
ISBN: 978-3-453-60705-7,
288 Seiten,
16 Euro
Frage:
Wie arbeitet die AfD in Sozialen Medien?
Und welche Rolle spielen Fakten noch?
Sally Lisa Starken:
Diese Methoden hat Donald Trump nicht erfunden.
Sie kommen aus rechtsextremen Gruppen.
Eine Methode ist: Man stellt sich selbst als Opfer dar.
Eine andere Methode ist: Man gibt Wörtern eine neue Bedeutung.
Ein Beispiel ist das Wort „Remigration“.
Dieses Wort wird von rechten Gruppen benutzt.
Es meint oft: Menschen sollen Deutschland verlassen, auch wenn sie hier leben oder hier geboren sind.
Wenn ein solches Wort oft benutzt wird, wirkt es irgendwann normaler.
Die AfD sorgt auch bewusst für Schock.
Danach sagt sie oft: „Ihr habt uns falsch verstanden.“
Vor einem Jahr waren viele Menschen noch sehr schockiert, wenn jemand „Remigration“ sagte.
Heute klingt das Wort für viele schon normaler.
Das ist gefährlich.
Viele Aussagen und Beiträge der AfD sind genau geplant.
Fakten sind für die AfD oft nur dann wichtig, wenn sie daraus eine gute Geschichte machen kann.
Man sieht das zum Beispiel bei Ereignissen wie in Aschaffenburg.
Solche Ereignisse werden dann für politische Botschaften benutzt.
Es ist schwer, solche Botschaften wieder zu entkräften.
Wenn Medien darüber berichten, bleiben oft die Bilder im Kopf.
Das können nicht nur Donald Trump und Elon Musk.
Auch die AfD kann das sehr gut.
Frage: Was hilft dagegen?Soll man solche Botschaften ignorieren?
Sally Lisa Starken:
Ignorieren hilft nicht.
Wir brauchen andere Geschichten.
Diese Geschichten müssen Menschen einladen.
Sie dürfen Menschen nicht ausschließen.
Viele AfD-Wählerinnen und AfD-Wähler sehen sich selbst in der Mitte der Gesellschaft.
Kamala Harris hat in den USA versucht, einen anderen Wahlkampf zu machen.
Sie wollte Menschen Mut machen.
Sie wollte Hoffnung geben.
Robert Habeck versucht das in Deutschland auch.
Er spricht über Zuversicht, Hoffnung und Zusammenhalt.
Aber diese Wörter müssen mit echten Inhalten gefüllt werden.
Das ist viel Arbeit.
Das schafft man nicht in einem einzigen Wahlkampf.
Trotzdem kann es ein guter Weg sein.
Frage: Wie sollen wir mit Hass und falschen Informationen umgehen?
Sally Lisa Starken:
Wir müssen aufklären.
Auch wenn das schwer ist.
Menschen, die falsche Nachrichten verbreiten, sollten keine große Bühne bekommen.
Bei Fernsehduellen sollte es zum Beispiel direkt einen Faktencheck geben.
Das bedeutet: Fachleute prüfen Aussagen sofort.
Sie sagen dann: Das stimmt.
Oder: Das stimmt nicht.
Nach der Sendung schauen sich nur wenige Menschen noch einen Faktencheck an.
Auch in Sozialen Medien müssen Fakten geprüft werden.
Menschen müssen besser lernen, wie sie mit Informationen umgehen.
Sie sollen erkennen können: Ist das eine echte Nachricht?
Oder ist das eine falsche Behauptung?
Sie sollen lernen, Behauptungen zu prüfen.
Und sie sollen sich eine eigene Meinung bilden können.
Wir müssen etwas gegen Feinde der Demokratie tun.
Die AfD macht ihre Botschaften oft sehr einfach.
Falsche Nachrichten zu widerlegen, ist viel schwerer.
Aber diese Arbeit müssen wir machen.
Frage: Was können wir im Alltag gegen rechtsextreme Geschichten tun?
Sally Lisa Starken:
Politik ist eine Seite.
Die Gesellschaft ist die andere Seite.
Ich habe gemerkt: Menschen hören eher zu, wenn sie eine persönliche Verbindung zu jemandem haben.
Wenn ein fremder Mensch rechtspopulistische Dinge sagt, ist es oft schwer, ihn zu erreichen.
Bei nahen Menschen ist das anders.
Zum Beispiel bei Freundinnen und Freunden.
Oder in der Familie.
Dann können wir fragen: Wie gehen wir mit Menschen um, die wir mögen, die aber die AfD wählen?
Solche Menschen können wir eher erreichen.
Vielleicht hören sie uns noch zu.
Wir sollten mit ihnen sprechen.
Wir sollten sie nicht sofort wegstoßen.
Aber wir brauchen klare Grenzen.
Wir müssen nicht jede Diskussion bis zum Ende führen.
Aber wir sollten Diskussionen auch nicht immer vermeiden.
Fakten allein überzeugen Menschen oft nicht.
Viele Menschen sind aus rechtsextremen Gruppen ausgestiegen, weil sie gute Beziehungen zu anderen Menschen hatten.
Ein Verbot der AfD zu fordern, ist richtig.
Aber wir müssen auch überlegen: Was passiert mit den Menschen danach?
Sie ändern ihre Meinung nicht automatisch, nur weil eine Partei verboten wird.
Frage: Kannst du trotzdem optimistisch bleiben?
Sally Lisa Starken:
Ja, sehr.
Die meisten Menschen sind für Demokratie.
Das zeigen viele Demonstrationen.
Sehr viele Menschen kämpfen für Demokratie.
Sie setzen sich dafür ein.
Wir sind nicht machtlos.
Jede Stimme zählt.
Darauf können wir aufbauen.
Wir dürfen nur nicht zulassen, dass rechtsextreme Kräfte uns spalten.
Mein größter Wunsch ist: Menschen sollen sich mit den Geschichten anderer Menschen beschäftigen.
Sie sollen versuchen, andere Lebenswege zu verstehen.
Nur so können wir verstehen, warum sehr unterschiedliche Menschen die AfD wählen.
Zur Person
Sally Lisa Starken ist Journalistin.
Sie macht Podcasts.
Sie moderiert Veranstaltungen und Sendungen.
Und sie schreibt Bücher.
In Sozialen Medien erklärt sie Politik.
Vor allem jungen Menschen.
Sie hilft ihnen, politische Themen besser zu verstehen.
Sally Lisa Starken ist 34 Jahre alt.
Für ihr Buch hat sie mit Menschen gesprochen, die die AfD wählen.
Sie fragt:
- Wie leben diese Menschen?
- Warum erreichen demokratische Parteien sie nicht mehr?
Sally Lisa Starken sagt:
„Wir müssen wieder miteinander sprechen.
Wir müssen aus diesen Gesprächen lernen.
Weniger Menschen sollen sich von der Politik allein gelassen fühlen.
Weniger Menschen sollen das Gefühl haben: Niemand sieht mich.
Nur so können wir unsere Demokratie retten.“
Mehr Infos zu ihren Projekten findest du hier: www.sallylisa-starken.de
Hinweis:
Dieser Text in Einfacher Sprache wurde mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt.
Er dient nur zur Information.
Er ist rechtlich nicht bindend.
Gültig ist nur das Original im Alltagssprach-Deutsch.



