„Wir sind zwei Inseln der Hoffnung in einem Meer aus Leid“
Abt Nikodemus Schnabel sagt: Vertrauen wächst nur sehr langsam. Wer ins Heilige Land reist, kann Hoffnung finden. Und anderen Hoffnung geben.

Abt Nikodemus Schnabel ist Benediktiner.
Das Foto zeigt ihn im Jahr 2017 in Tabgha.
Dort sieht man noch Spuren von einem Brand-Anschlag im Jahr 2015.
Von Stephan Johnen
Die Benediktiner-Abtei Dormitio steht auf dem Berg Zion in Jerusalem.
Eine Abtei ist ein Kloster.
Der Ort ist besonders:
Nach internationalem Recht liegt die Abtei in einem Gebiet zwischen Israel und Palästina.
Man kann sagen: Sie liegt im Niemandsland.
Abt Nikodemus Schnabel erklärt:
Die Abtei ist ein wichtiger Ort mitten in Jerusalem.
Christen, Juden und Muslime kommen dorthin.
Advent in der Dormitio-Abtei
Abt Nikodemus erzählt:
Der Advent wurde in der Abtei ganz klassisch gefeiert.
Am 29. November wurde ein Adventskranz gesegnet.
Viele Menschen aus der Gemeinde waren eingeladen.
Danach gab es ein gemeinsames Abendessen.
Die Dormitio ist nicht nur ein Kloster.
Sie ist auch ein Ort für Studierende der Theologie.
Und sie ist eine Pfarrei.
Im Advent sind die Gebetszeiten besonders wichtig.
Es gibt auch Rorate-Messen.
Das sind besondere Gottesdienste im Advent.
In der Dormitio finden diese Messen am Abend statt.
So können viele Menschen mitfeiern.
Zum Beispiel Freiwillige, Studierende und Menschen aus der Gemeinde.
Die Kirche ist dabei nur mit Kerzen beleuchtet.
Das ist sehr schön und ruhig.
Weihnachten ist in Jerusalem anders als in Deutschland
In Deutschland sind Weihnachtsmärkte oft sehr voll.
In Jerusalem ist das anders.
Es gab nur einen kleinen Weihnachtsmarkt.
Er war bei den evangelischen Christen.
Christen sind in Jerusalem eine sehr kleine Minderheit.
Das bedeutet:
Nur wenige Menschen in Jerusalem sind Christen.
Die meisten Menschen in Jerusalem sind Juden oder Muslime.
Darum sieht man in der Stadt nicht überall Weihnachtsschmuck.
Die Weihnachtstage sind normale Arbeitstage.
Die Behörden arbeiten.
Die Post ist offen.
Die Geschäfte sind offen.
Nur etwa 1,8 Prozent der Menschen in Israel sind Christen.
Außerdem feiern Christen Weihnachten nicht alle am gleichen Tag.
Es gibt verschiedene Termine:
- bei der westlichen Kirche
- bei der östlichen Kirche
- bei den Armeniern
Darum gibt es keine starke Weihnachtsstimmung in Jerusalem.
Weihnachten wird vor allem hier gefeiert:
- im Armenischen Viertel
- im Christlichen Viertel der Altstadt
- in Betlehem im Westjordanland
- in Nazaret
In anderen Städten merkt man kaum etwas von Weihnachten.
Zum Beispiel in Aschdod, Netanja oder Herzlia.

© Stephan Johnen
Abtei Dormitio: Das Kloster auf dem Berg Zion gehört zu den meistbesuchten christlichen Stätten.
In der Heiligen Nacht gehen die Mönche nach Betlehem
In der Dormitio gibt es eine besondere Tradition:
Die Mönche gehen in der Heiligen Nacht nach Betlehem.
Menschen aus der ganzen Welt können ihnen Namen schicken.
Zum Beispiel Namen von Menschen, die ihnen wichtig sind.
Diese Namen werden auf eine große Schriftrolle geschrieben.
Die Mönche nehmen diese Rolle mit nach Betlehem.
Am Heiligen Abend feiern sie zuerst um 21 Uhr eine Christmette auf Deutsch.
Eine Christmette ist ein Gottesdienst an Weihnachten.
Um Mitternacht kommen viele Hundert Menschen zur Vigil.
Eine Vigil ist ein Nachtgebet.
Viele Besucher sind jüdische Israelis.
Sie haben Wurzeln in Deutschland oder Österreich.
Manche kennen deutsche Weihnachtslieder von ihren Familien.
Sie singen Lieder wie:
- „O du Fröhliche“
- „Stille Nacht“
Viele können diese Lieder auswendig.
Abt Nikodemus sagt:
In dieser Nacht predigt er als katholischer Priester vor vielen Juden.
Das ist etwas Besonderes.
Danach segnen die Mönche die Schriftrolle mit den Namen.
Dann gehen sie zu Fuß nach Betlehem.
Der Weg ist etwa 10 Kilometer lang.
Weihnachten auf dem Weg nach Betlehem
Die Mönche gehen durch die Nacht.
Sie kommen an Lieferwagen vorbei.
Sie sehen Menschen, die arbeiten.
Zum Beispiel Reinigungskräfte.
Weihnachtsstimmung ist auf diesem Weg kaum zu sehen.
Um 4.30 Uhr morgens kommen sie in Betlehem an.
Dann ruft der Muezzin zum Frühgebet.
Ein Muezzin ruft Muslime zum Gebet.
Zu dieser Zeit haben die Mönche die Geburtsgrotte fast für sich allein.
Die Geburtsgrotte ist der Ort, an dem Jesus geboren sein soll.
Dort beten sie mit katholischen Migranten.
Migranten sind Menschen, die aus einem anderen Land gekommen sind.
In Jerusalem feiern sie Weihnachten mit jüdischen Israelis.
In Betlehem beten sie am Geburtsstern.
Abt Nikodemus sagt:
Dort spürt man besonders stark:
Gott ist Mensch geworden.
Dann singen die Mönche das Morgenlob.
Sie beten für die Menschen, deren Namen auf der Schriftrolle stehen.
Für Abt Nikodemus ist das sehr bewegend.
Denn viele Christen auf der ganzen Welt sehnen sich nach diesem Ort.
Dort können Menschen Hoffnung finden.
Was Abt Nikodemus Hoffnung gibt
Abt Nikodemus sagt:
In den letzten Jahren wurden oft Namen von mächtigen Menschen genannt.
Manchmal öfter als der Name Jesus Christus.
Er meint damit:
Viele Menschen reden viel über Politiker, Kriegs-Treiber und laute Menschen.
Aber das tröstet ihn:
Diese Menschen haben nicht das letzte Wort.
Nicht die Zyniker.
Nicht die Kriegs-Treiber.
Nicht die lauten Menschen.
Für Abt Nikodemus hat Jesus Christus das letzte Wort.

© Stephan Johnen
Wer möchte kann noch die Weihnachtsaktion unterstützen: Für die auf der Schriftrolle vermerkten Namen wird in der Geburtsgrotte gebetet.
Die Stimmung in Israel ist erschöpft
In Gaza gibt es eine Waffenruhe.
Das bedeutet:
Im Moment wird offiziell nicht gekämpft.
Aber Frieden ist das noch nicht.
Abt Nikodemus lebt auf dem Berg Zion.
Nach internationalem Recht liegt dieser Ort zwischen Israel und Palästina.
Er sagt:
Die Menschen auf beiden Seiten sind erschöpft.
Das tägliche Töten ist vorbei.
Aber viele Menschen haben Schlimmes erlebt.
Die Christen in Gaza haben weniger Angst vor Raketen.
Aber viele Palästinenser mussten mehrmals fliehen.
Manche sogar neun Mal.
Auch in Israel gibt es viel Schmerz.
Geiseln wurden übergeben.
Auch sterbliche Überreste wurden übergeben.
Abt Nikodemus sagt:
Auf allen Seiten gibt es Verletzungen und schlimme Erinnerungen.
Zerstörung kann in Sekunden passieren.
Aber Aufbau dauert sehr lange.
Dabei geht es nicht nur um Häuser aus Beton.
Es geht auch um Vertrauen.
Vertrauen wieder aufzubauen, dauert Generationen.
Kinder in Gaza geben Hoffnung
Abt Nikodemus hat mit Menschen gesprochen, die nach Gaza reisen durften.
Diese Menschen erzählten von Kindern in Gaza.
Die Kinder spielten mit Trümmern von Raketen.
Aber sie hatten keinen Hass.
Sie beten jeden Tag zu Gott.
Sie bitten Gott, alle Menschen zu schützen:
- Christen
- Juden
- Muslime
- Israelis
- Palästinenser
In Gaza gibt es eine katholische Pfarrei.
Sie heißt „Heilige Familie“.
Es ist die einzige katholische Pfarrei in Gaza.
Abt Nikodemus sagt:
Dort ist offenbar etwas Wichtiges gelungen.
Die Kinder lernen Hoffnung und Menschlichkeit.
Sie beten nicht dafür, dass andere Menschen vernichtet werden.
Sie beten für Schutz für alle.
Das gibt Abt Nikodemus Hoffnung.
Viele Kinder wollen später helfen.
Sie möchten zum Beispiel werden:
- Krankenschwester
- Arzt
- Ärztin
Sie möchten heilen.
Sie möchten versöhnen.
Sie möchten Gutes tun.
Frieden braucht eine andere Sprache
Abt Nikodemus sagt:
Der erste Schritt zum Frieden ist:
Die Menschen müssen anders sprechen.
Politiker auf beiden Seiten benutzen oft harte Worte.
Sie sprechen so, als wären andere Menschen weniger wert.
Abt Nikodemus findet das falsch.
Er sagt:
Jeder Mensch ist kostbar.
In der Bibel steht:
Der Mensch ist nach dem Bild Gottes geschaffen.
Im Koran steht:
Der Mensch ist Stellvertreter Gottes.
Darum muss der Mensch im Mittelpunkt stehen.
Menschen müssen einander zuhören.
Sie dürfen nicht nur das eigene Leid sehen.
Sie müssen auch das Leid der anderen sehen.
Es hilft nicht, wenn jede Seite zeigen will:
Unser Leid ist größer als euer Leid.
Abt Nikodemus sagt:
Beide Seiten müssen bereit sein, Kompromisse zu machen.
Jüdische Israelis sehnen sich nach Sicherheit.
Palästinenser sehnen sich nach Freiheit und Selbstbestimmung.
Im Moment werden für beide Seiten schlimme Ängste wahr:
- Die eine Seite fühlt sich schutzlos.
- Die andere Seite fühlt sich eingesperrt.
Abt Nikodemus sagt:
Er ist nicht einfach nur für Israel.
Er ist nicht einfach nur für Palästina.
Er ist für den Menschen.
Was die Benediktiner tun können
Die Benediktiner wissen:
Sie können den Konflikt im Nahen Osten nicht allein lösen.
Aber sie wollen auch nicht wegschauen.
Ihre Gemeinschaft ist klein.
Christen sind in Israel und Palästina sowieso eine Minderheit.
Und die Benediktiner sind noch einmal eine kleine Gruppe innerhalb dieser Minderheit.
Trotzdem haben sie zwei wichtige Orte:
- die Dormitio-Abtei in Jerusalem
- Tabgha am See Gennesaret
Beide Orte sind wichtig für Christen.
Viele Menschen kennen sie aus der Bibel.
Die Benediktiner haben ihre Orte nicht geschlossen.
Auch nicht in der schweren Zeit.
Sie haben ihre Mitarbeitenden behalten.
Das hat viel Geld gekostet.
Es kamen kaum Pilger und Touristen.
Aber Einheimische kamen.
Auch Jugendgruppen kamen.
Die Benediktiner bieten Orte für Seelsorge.
Seelsorge bedeutet:
Menschen bekommen Hilfe für ihre Seele.
Viele Priester und Ordensleute kamen dorthin.
Sie hatten täglich mit Leid zu tun.
Sie brauchten Trost und Gespräche.
Die Benediktiner sind auch für Menschen mit Behinderung da.
Abt Nikodemus sagt:
Kriegsverletzte gelten oft als Helden.
Aber Menschen, die von Geburt an eine Behinderung haben, werden oft vergessen.
Tabgha und die Dormitio waren in den letzten Monaten wichtige Orte der Hilfe.
Die Dormitio wurde auch ein Kultur-Ort.
Dort gab es:
- Konzerte
- Ausstellungen
- Begegnungen
Juden, Muslime und Christen saßen dort zusammen.
Abt Nikodemus sagt:
Die Klöster geben Menschen Raum.
Dorthin trauen sich Menschen von beiden Seiten.
Darum sagt er:
Die beiden Klöster sind zwei Inseln der Hoffnung in einem Meer aus Leid.
Pilger sind wichtig
Christen sind in Israel und Palästina eine Minderheit.
Aber viele Christen arbeiten im Tourismus.
Etwa 60 Prozent der Christen arbeiten in diesem Bereich.
Zum Beispiel:
- als Reiseführer
- in Hotels
- in Restaurants
- als Busfahrer
- in Einrichtungen für Pilger
Christliche Pilger sind sehr wichtig für den Tourismus.
Seit dem Krieg kommen viel weniger Pilger.
Das ist für viele Christen ein großes Problem.
Viele Christen sind ausgewandert.
Sie haben das Gefühl:
Niemand interessiert sich für uns.
Niemand setzt sich für uns ein.
Pilger sind deshalb aus zwei Gründen wichtig:
- Sie bringen Arbeit und Einkommen.
- Sie zeigen Solidarität.
Solidarität bedeutet:
Menschen merken, dass sie nicht allein sind.
Abt Nikodemus sagt:
Wenn wieder Pilger kommen, hilft das dem Heiligen Land.
Er sagt auch:
Rom ist wichtig.
Aber die Geschichte des Christentums hat im Heiligen Land begonnen.
Wenn Du als Pilger ins Heilige Land reist, kann die Bibel lebendig werden.
Orte aus der Bibel bekommen dann eine besondere Bedeutung.
Für viele Christen in Betlehem und Umgebung ist Tourismus überlebenswichtig.
Das gilt auch für die Klöster.
Das Bild in den Medien
Abt Nikodemus sagt:
Viele Menschen in Westeuropa haben Angst, ins Heilige Land zu reisen.
Das hat auch mit Bildern in den Medien zu tun.
Ein Beispiel:
Ein Reporter steht mit Mikrofon in Jerusalem.
Im Hintergrund zeigt der Fernsehsender aber Bilder aus Gaza.
Dann sehen Menschen Zerstörung und lesen dazu „Jerusalem“.
So entsteht leicht ein falsches Bild.
Abt Nikodemus sagt:
Wer das Heilige Land wirklich erleben will, kann sich auf den Weg machen.
Es ist im Moment nicht überlaufen.
Und viele Orte sind sicher zu besuchen.
Er sagt:
Jetzt ist die Zeit.

© Stephan Johnen
Abt Nikodemus Schnabel
Dr. Nikodemus Claudius Schnabel ist Benediktiner.
Seit 2023 ist er Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem.
Er ist auch verantwortlich für das Priorat Tabgha am See Gennesaret.
Ein Priorat ist ein kleineres Kloster.
Tabgha ist in Israel und Palästina sehr bekannt.
Dort gibt es auch die Jugend- und Behindertenbegegnungsstätte „Beit Noah“.
Abt Nikodemus arbeitet auch für die Deutsche Bischofskonferenz.
Er begleitet die deutschsprachige katholische Gemeinde im Heiligen Land als Seelsorger.
Die Weihnachtsaktion
Die Weihnachtsaktion heißt:
„Ich trage Deinen Namen nach Betlehem“.
Sie ist Abt Nikodemus sehr wichtig.
In der Weihnachtsnacht gehen die Benediktiner zu Fuß nach Betlehem.
So wie früher die Hirten.
Sie nehmen fast 150.000 Namen aus der ganzen Welt mit.
Die Namen stehen auf einer Schriftrolle.
Für diese Menschen wird in der Geburtsgrotte gebetet.
Zu der Aktion gehört auch eine Spendenaktion.
Mit dem Geld helfen die Benediktiner sozialen Projekten in Betlehem.
Mehr Infos gibt es hier:
https://dormitio.net/weihnachtsaktion
Hinweis:
Dieser Text in Einfacher Sprache wurde mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt.
Er dient nur zur Information.
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