Ratlos im Heiligen Land
Eine Rundreise durch ein verletztes Israel.

Bekannter Blick: Vom Ölberg aus sieht man über das Kidrontal auf die Altstadt von Jerusalem. Viele Künstler, Fotografen und Menschen mit Handys machen hier Fotos.
Von Stephan Johnen
In Gaza wird offiziell nicht mehr geschossen. Aber bedeutet das schon Frieden in Israel? Viele Pilger sind in diesem Advent lieber zu Hause geblieben. Warum?
Eine Gruppe reist eine Woche durch das Heilige Land.
Sie besucht wichtige Orte aus der Bibel.
Die Gruppe geht den Spuren von Jesus und seinen Freunden nach.
Früher waren Pilger meistens zu Fuß unterwegs.
Heute ist Pilgern viel leichter.
Es gibt gute Straßen.
Es gibt viele Angebote für Reisende.
Doch Ende November sieht man auf großen Parkplätzen nur wenige Autos.
Und noch weniger Busse.
Viele Menschen sagen deshalb:
„Früher wäre hier alles voll gewesen.“
Oder:
„So leer habe ich es noch nie erlebt.“
Mit „früher“ meinen viele die Zeit vor Corona.
Sie meinen auch die Zeit vor dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023.
Und die Zeit vor dem Krieg danach.
In Gaza schweigen vielleicht die Waffen.
Aber viele Pilger sind auch in diesem Advent lieber zu Hause geblieben.
Warum ist das so?
Nazaret: Hier beginnt die Geschichte von Jesus
In Nazaret begann die Geschichte von Jesus.
Damals gehörte die Stadt zur römischen Provinz Galiläa.
Die Geschichte von Jesus ist eng mit Maria und Josef verbunden.
Maria und Josef waren seine Eltern.
Heute ist die Verkündigungskirche ein wichtiger Ort in Nazaret.
Sie erinnert an einen besonderen Moment:
Maria erfährt, dass sie Gottes Sohn zur Welt bringen soll.
Im Jahr 2019 kamen so viele Touristen wie nie zuvor.
Damals war es hier sehr voll.
Ein Bus kam nach dem anderen.
Im Jahr 2025 ist es anders.
An diesem Tag warten höchstens 50 Gläubige auf die Franziskaner.
Viele von ihnen sind katholische Äthiopier.
Sie leben in Israel.
Die Franziskaner rufen zum Angelus.
Das ist ein Gebet am Mittag.
An kaum einem Ort ist man diesem Ereignis näher als hier.
Denn hier soll der Engel Gabriel zu Maria gesagt haben:
Du wirst ein Kind bekommen.
Alles danach wurde Weltgeschichte.

© Stephan Johnen
„Als ich nach Israel kam, hielten alle zusammen. In guten und in schweren Zeiten. Ich wünsche mir, dass Israel wieder so wird.“
Kathy Saphir, 81 Jahre, lebt seit 1966 in Israel
Zusammenleben ist nicht immer leicht
Vor dem Gebet erzählt Pater Amjed Sabbara von seinem Leben.
Er ist Franziskaner.
Er lebt mit anderen Franziskanern in Nazaret.
Die Brüder kommen aus vielen Ländern.
Zum Beispiel aus Japan, Argentinien, Chile, den USA und Ghana.
Pater Amjed kommt aus einer Familie in Jerusalem.
Ein Bruder von ihm lebt heute in Jordanien.
Seine Schwester lebt noch in Jerusalem.
In der Gemeinschaft in Nazaret sprechen alle Italienisch.
Aber Pater Amjed sagt:
„Es geht nicht nur um die Sprache.
Wir müssen gut miteinander leben.“
Das üben die Ordensleute jeden Tag.
Sie wollen auch helfen, dass Frieden möglich wird.
Pater Amjed sagt:
„Wir müssen über Frieden sprechen.
Das ist unsere Aufgabe als Franziskaner.“
Frieden ist ein großes Wort.
Pater Josef San Torcuato ist Benediktiner.
Er ist Prior in Tabgha am See Gennesaret.
Ein Prior leitet eine Gemeinschaft von Mönchen.
Pater Josef sagt klar:
„Der Krieg ist vorbei.
Aber der Frieden ist noch nicht da.“
Und er sagt:
„Wir helfen dabei, dass die Menschen Jesus hier nicht vergessen.“

© Stephan Johnen
„Wir haben am 7. Oktober entschieden: Wir bleiben hier und halten unsere Türen offen. Das verändert etwas. Das hat eine Wirkung.“
Pater Josef San Torcuato, Prior von Tabgha
Es kommen viel weniger Pilger
Das Leben im Heiligen Land ist im Moment schwer.
Wegen des Krieges kommen kaum noch Touristen.
Trotzdem geben die Menschen in Tabgha nicht auf.
Dort steht die Brotvermehrungskirche.
Auch die Benediktiner auf dem Berg Zion geben nicht auf.
Es fehlen immer noch sehr viele Pilger.
Im Vergleich zu der Zeit vor Corona und vor dem Krieg fehlen 80 bis 90 Prozent.
Die Ordensleute teilen miteinander.
Sie achten aufeinander.
Das ist für sie normal.
Auch wenn es schwierig wird.
Pater Josef sagt:
„Wir haben keine andere Wahl.
Es ist meine Pflicht, im anderen Menschen den Mitmenschen zu sehen.“
Viele Menschen wissen nicht weiter
Egal, wohin man reist:
Viele Menschen wissen nicht, wie es weitergehen soll.
Man spürt oft Trauer.
Viele wünschen sich, dass die Lage besser wird.
Auf der Reise sprechen viele Menschen über Politik.
Zum Beispiel Taxifahrer, Menschen aus einem Kibbuz oder Reiseführer.
Ein Kibbuz ist ein Dorf in Israel.
Dort leben und arbeiten Menschen oft gemeinschaftlich.
Viele antworten sehr vorsichtig.
Andere sprechen mit Wut.
Oder mit Verzweiflung.
Manche klingen hoffnungslos.

© Stephan Johnen
„Viele denken, dass hier alles unsicher ist. Das ist völlig falsch. Das tut mir weh.“
Pater Ulrich Maria Rauch, Franziskaner in Nazaret
Das Land ist gespalten
Die Lage in Israel ist nicht einfach.
Schon vor dem Krieg gab es Proteste gegen die Regierung.
Es gibt viele verschiedene Meinungen.
Zum Beispiel zum Krieg.
Zu den Siedlungen.
Und zu der Frage:
Soll es zwei Staaten geben, Israel und Palästina?
Unsere Reisegruppe wurde vom Staatlichen Israelischen Tourismusbüro eingeladen.
Wir erleben ein Land, in dem man sich wohlfühlen kann.
Besonders nach dem deutschen Winter.
Man spürt hier die Geschichte der Bibel.
Die Menschen sind gastfreundlich.
Es gibt viele starke Eindrücke.
Aber es fehlen oft Pilger und Touristen.
Das fühlt sich manchmal unheimlich an.
Ganz ehrlich:
Niemand fühlt sich unsicher.
Nicht einmal.
An keinem Ort.
Die Frage nach der Sicherheit stellen eher die Menschen zu Hause.
Also Familie und Freunde.
Der Bus fährt ohne Probleme an Checkpoints vorbei.
Checkpoints sind Kontrollstellen.
Diese Kontrollstellen schränken vor allem im Westjordanland die Freiheit der Palästinenser ein.
Viele Palästinenser können sich dort nicht frei bewegen.
Der Bus fährt auch an hohen Zäunen vorbei.
Auch hier bleiben viele Fragen.
Eine Frage ist besonders schwer:
Darf man in dieses Land reisen, während die Menschen in Gaza vor den Trümmern ihres Lebens stehen?

© Stephan Johnen
„Wir können den Konflikt im Nahen Osten nicht lösen. Aber wir geben Menschen aus vielen Ländern einen Ort, an dem sie miteinander sprechen können.“
Lucas Maier, Leiter des österreichischen Pilger-Hospizes in Jerusalem
Christen im Heiligen Land leiden mit
Abt Pater Nikodemus Schnabel versteht diese Frage gut.
Er sagt aber auch:
Besonders die christlichen Einrichtungen im Heiligen Land leiden unter der Situation.
Damit leiden auch die Christen in Israel.
Sie sind dort eine Minderheit.
Viele Christen arbeiten im Tourismus.
Zum Beispiel als Busfahrer.
In Hotels.
In Restaurants.
Als Reiseführer.
Oder als Schnitzer von Krippen.
In Eilat und an der Küste gibt es viele Badegäste aus Israel.
An vielen anderen Orten bedeutet Tourismus aber fast dasselbe wie Pilgern.
Der Tourismus macht nur etwa vier Prozent der Wirtschaft aus.
Trotzdem will das Tourismusministerium den Tourismus wieder stärken.
Das sagt Taimur Mansour vom Ministerium.
Es kommen wieder mehr Gäste aus Amerika und Asien.
Gäste aus Westeuropa sind noch vorsichtig.
Taimur Mansour sagt:
„Wir sind noch weit weg von der Normalität.“
Viele Menschen denken, sie fahren in ein Kriegsgebiet.
Mansour sagt:
„Als würden sie nach Bagdad reisen.“

© Stephan Johnen
„Wir hoffen sehr, dass auch Menschen aus Westeuropa wiederkommen. Hier kann man viel sehen. Wir leben im Paradies.“
Daniela Cohen, Bewohnerin des Kibbuz Ein-Gedi am Toten Meer
Gaza ist nah und wirkt doch weit weg
Was ist mit den Zerstörungen in Gaza?
Sie fühlen sich weit weg an, wenn man mit einem Boot über den ruhigen See Gennesaret fährt.
Taimur Mansour sagt:
„Wie Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg wird auch Gaza wieder aufgebaut.
Das gehört zum Menschen.“
Aber er sagt auch:
Es darf keine Gefahr mehr für israelische Städte und Menschen geben.
Das bedeutet für ihn:
Nicht die Hamas soll regieren, sondern jemand anderes.
Wie das genau gehen soll, weiß niemand sicher.
Darauf gibt es keine klare Antwort.
Das Gespräch geht dann in andere Richtungen.
„Hier ist nicht alles unsicher“
Pater Ulrich Maria Rauch kommt aus Kaufbeuren.
Er lebt seit einem Jahr im Heiligen Land.
Er sagt:
„Es tut mir weh, dass viele denken: Hier ist alles unsicher.“
Er findet:
Menschen sollten wieder ins Heilige Land reisen.
Im April 2024 war er im Garten Getsemani.
Dort erlebte er den Raketenangriff aus dem Iran auf Jerusalem.
Er sieht, was in Gaza passiert ist.
Als Gast im Land spürt er auch:
Die Gesellschaft ist gespalten.
Diese Spaltung gab es schon vor dem 7. Oktober 2023.
Sie hat auch mit der Politik zu tun.
Pater Ulrich sagt:
„Auf allen Seiten gibt es große Verletzungen.
Viele Menschen haben schlimme Dinge erlebt.
Es wird lange dauern, bis die Wunden heilen.
Und bis wieder Vertrauen entsteht.“
Im Moment ist es schwer, Hoffnung zu haben.
Trotzdem glaubt er:
Es gibt Hoffnung.
Er sagt:
„Wir kommen alle von dem einen Gott.
Wir Christen, Muslime und Juden müssen es schaffen, den anderen nicht nur als Gefahr zu sehen.
Wir müssen ihn auch als Bereicherung sehen.“
Hoffnung trotz Schmerz
Auch Kathy Saphir erzählt von großem Schmerz.
Sie erzählt von Spaltung.
Und von einem verletzten Land.
Kathy Saphir ist Rentnerin.
Sie arbeitet seit Jahren in der Abtei Dormitio in Jerusalem.
Sie kommt aus Belgien.
Im Jahr 1966 kam sie als Studentin nach Israel.
Sie sagt:
„Alle hielten zusammen.
In guten und in schlechten Zeiten.
Ich wünsche mir, dass Israel wieder so wird.“
Sie schaut vorsichtig hoffnungsvoll in die Zukunft.
Bruder Johannes Roth sagt:
„Es gibt keine einfachen Lösungen für diese schwierige Lage.
Manchmal braucht man vielleicht sehr tiefe Punkte.
Dann kann man Dinge denken, die vorher unmöglich schienen.
Dieser Punkt kann eine Chance sein.“
Bruder Johannes ist Vize-Kommissar des Heiligen Landes der Deutschen Franziskanerprovinz.
Das bedeutet:
Er hat eine besondere Aufgabe für die Franziskaner und das Heilige Land.
So sieht er die Lage in Israel:
Ein Weg aus der Unsicherheit könnte sein:
Menschen müssen einander wieder wie Menschen behandeln.
Sie müssen versuchen, die andere Seite zu verstehen.
Und sie müssen Verständnis zeigen.
Bruder Johannes sagt:
„Es ist schwierig.
Aber nicht unmöglich.“
Eine Bilderreise durch das Heilige Land
Hinweis:
Dieser Text in Einfacher Sprache wurde mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt.
Er dient nur zur Information.
Er ist rechtlich nicht bindend.
Gültig ist nur das Original im Alltagssprach-Deutsch.

















