„Wir geben Judenhass keinen Raum.“
Dominik Groß ist an der RWTH der Beauftragte gegen Judenhass. Er sagt: Menschen mit Hochschulbildung können und sollen eine klare Meinung zeigen.

Von Stephan Johnen
Prof. Dominik Groß wurde 1964 in St. Wendel geboren.
St. Wendel liegt im Saarland.
Seit 2005 arbeitet er an der RWTH Aachen.
Die RWTH ist eine große Universität.
Dominik Groß leitet dort einen Lehrstuhl.
Dort geht es um Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin.
Ethik bedeutet:
- Was ist richtig?
- Was ist falsch?
- Und wie sollen Menschen gut handeln?
Dominik Groß leitet auch ein Institut an der RWTH.
Außerdem leitet er das Ethik-Komitee im Uniklinikum Aachen.
Ein Komitee ist eine Gruppe von Fachleuten.
Sie beraten bei schwierigen Fragen.
Seit März 2024 hat Dominik Groß noch eine Aufgabe:
Er ist Beauftragter gegen Antisemitismus an der RWTH.
Antisemitismus bedeutet:
Hass auf Jüdinnen und Juden.
Man kann auch sagen: Judenhass.
Dominik Groß ist Arzt.
Er ist Zahnarzt.
Und er ist Historiker.
Das heißt: Er forscht zur Geschichte.
In diesem Gespräch erklärt er:
Warum ist er Beauftragter gegen Antisemitismus geworden?
Wie ist die Lage an der RWTH?
Was hat die Veranstaltungs-Reihe gegen Antisemitismus gebracht?
Und was plant er für die Zukunft?
Frage:
Wie bist du Beauftragter gegen Antisemitismus an der RWTH geworden?
Dominik Groß sagt:
Ich forsche seit 25 Jahren zur Zeit des Nationalsozialismus.
Diese Zeit nennt man auch NS-Zeit.
Die NS-Zeit war von 1933 bis 1945.
Damals regierten Adolf Hitler und die Nationalsozialisten in Deutschland.
Sie verfolgten und ermordeten viele Menschen.
Besonders Jüdinnen und Juden.
Ich beschäftige mich besonders mit Medizin in der NS-Zeit.
Dabei habe ich auch untersucht:
Welche Rolle spielte Judenhass damals?
Und was passierte nach 1945?
Ich habe mehrere Forschungs-Projekte geleitet.
Zum Beispiel über Zahnärzte und Pathologen in der NS-Zeit.
Pathologen sind Ärztinnen und Ärzte.
Sie untersuchen Krankheiten und Todes-Ursachen.
In den Projekten ging es um Fragen wie:
- Wie haben sich diese Berufsgruppen in der NS-Zeit verhalten?
- Wie standen sie zur politischen Führung?
- Wie haben sie jüdische Kolleginnen und Kollegen behandelt?
Dabei geht es immer auch um die Gegenwart.
Also um die Frage:
Wie gehen wir heute mit extremen politischen Ideen um?
Und wie verhindern wir Judenhass?
Zurzeit leite ich dazu ein Projekt für den Hartmannbund.
Der Hartmannbund ist ein Berufs-Verband für Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.
Frage:
Kam die Idee von der RWTH oder von dir?
Dominik Groß sagt:
Die Idee kam von Felix Klein.
Felix Klein ist der Beauftragte der Bundesregierung gegen Antisemitismus.
Er hielt 2023 in Berlin eine Rede.
Er sagte:
Jede Universität braucht eine feste Ansprech-Person für Antisemitismus.
Dann habe ich mit dem Rektor der RWTH gesprochen.
Der Rektor heißt Ulrich Rüdiger.
Er fand die Idee sofort gut.
Er wollte damit zeigen:
Die RWTH nimmt Judenhass ernst.
Die Universität Münster hatte schon so eine Stelle.
Danach war die RWTH die zweite Hochschule in Nordrhein-Westfalen mit so einer Stelle.
Kurz danach richtete auch die Universität Bonn so eine Stelle ein.
Frage:
Gab es schon antisemitische Vorfälle an der RWTH?
Dominik Groß sagt:
Der Terror-Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 hat viel verändert.
Die Hamas griff Israel an.
Viele Menschen wurden getötet.
Viele Menschen wurden entführt.
Danach gab es an vielen Hochschulen Proteste.
Einige Proteste waren gegen Israel.
Einige waren für Palästinenserinnen und Palästinenser.
Auch in Aachen gab es ein Pro-Palästina-Camp.
Das Camp war direkt vor dem Hauptgebäude der RWTH.
Einige jüdische Studierende fühlten sich dadurch bedroht.
Aber nur wenige sprechen offen darüber.
Viele wollen nicht zeigen, dass sie jüdisch sind.
Sie haben Angst vor Nachteilen.
Oder vor Angriffen.
Nach meinem Wissen wurde bisher kein jüdischer Studierender körperlich verletzt.
Aber die Menschen aus dem Camp haben das Rektorat teilweise stark angegriffen.
Frage:
Haben jüdische Studierende Angst an der RWTH?
Dominik Groß sagt:
Jüdische Studierende und Mitarbeitende werden oft in sozialen Medien angegriffen.
Viele haben auch Angst, jüdische Zeichen zu tragen.
Zum Beispiel:
- eine Kippa
- einen Davidstern
Eine Kippa ist eine kleine Kopfbedeckung.
Viele jüdische Männer tragen sie.
Der Davidstern ist ein wichtiges jüdisches Zeichen.
Viele jüdische Menschen erleben Diskriminierung.
Manche Menschen machen sie verantwortlich für die Politik von Israel.
Das ist falsch.
Denn jüdische Studierende in Aachen haben die israelische Regierung nicht gewählt.
Wir arbeiten eng mit RIAS zusammen.
RIAS bedeutet: Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus.
RIAS sammelt Informationen über antisemitische Vorfälle.
So wollen wir immer gut informiert sein.
Unser Ziel ist klar:
Jüdische Studierende und Mitarbeitende sollen sich an der RWTH sicher fühlen.
Sie sollen wissen:
Wir sehen euch.
Wir unterstützen euch.
Und wir geben Judenhass keinen Raum.
Frage:
Sind Hochschulen in Deutschland Brennpunkte für Judenhass?
Dominik Groß sagt:
In Deutschland sieht man starke Konflikte vor allem in Berlin.
Dort betrifft es mehrere Hochschulen.
Bei uns in Aachen gab es im Dezember 2023 viel Aufmerksamkeit.
Damals wurde ein Montagabend-Gespräch an der Architektur-Fakultät abgesagt.
Die Stimmung war nach dem Angriff der Hamas sehr angespannt.
Der Rektor entschied:
Die Veranstaltung soll besser verschoben werden.
Ich kann diese Entscheidung gut verstehen.
Danach gab es Kritik.
Einige Menschen sagten:
Der Rektor greift in die Meinungsfreiheit ein.
Und in die Freiheit der Wissenschaft.
Inzwischen ist die Lage wieder ruhiger.

© Siegfried Malinowski
Professor Dominik Groß forscht seit 25 Jahren zur NS-Zeit.
Frage:
Eine Studie sagt: Acht Prozent der Studierenden sind antisemitisch. Ist das viel?
Dominik Groß sagt:
Das ist schwer zu beurteilen.
Ich habe den Eindruck:
Rechter Antisemitismus ist bei uns weniger stark.
An Hochschulen gibt es eher linken Antisemitismus.
Acht Prozent sind aber trotzdem viel zu viel.
Eine Universität soll ein Ort der Aufklärung sein.
Das bedeutet:
Menschen sollen dort lernen.
Sie sollen nachdenken.
Und sie sollen Vorurteile erkennen.
An einer Universität sollen Vielfalt und Meinungsfreiheit wichtig sein.
Wir setzen uns dafür ein:
Vorurteile gegen Jüdinnen und Juden dürfen keinen Platz haben.
Solche Vorurteile passen nicht zu unseren Werten.
Fragfe:
Wissen Studierende genug über Antisemitismus?
Dominik Groß sagt:
Das kann ich sicher nur für Medizin-Studierende sagen.
Dort sehe ich keine große Unsicherheit.
Und ich sehe kein großes Unwissen.
Denn in der Medizin gibt es Pflicht-Seminare zur NS-Zeit.
Alle Studierenden müssen daran teilnehmen.
Diese Seminare sind sehr wichtig.
Sie kommen bei den Studierenden gut an.
Dort lernen die Studierenden auch:
Was ist Antisemitismus?
Frage:
Ist „Antisemitismus“ das richtige Wort?
Dominik Groß sagt:
Das Wort „Antisemitismus“ ist nicht gut.
Es klingt sehr wissenschaftlich.
Eigentlich geht es um Hass auf Jüdinnen und Juden.
Das Wort Judenfeindlichkeit wäre klarer.
Aber das Wort „Antisemitismus“ wird heute oft benutzt.
Deshalb arbeiten wir mit diesem Wort.
Die Hochschulrektorenkonferenz nutzt eine bestimmte Erklärung.
Sie heißt IHRA-Definition.
Die Hochschulrektorenkonferenz ist ein Zusammenschluss von Hochschulen in Deutschland.
Die IHRA-Definition erklärt:
Was ist Antisemitismus?
Ich verstehe diese Definition so:
Man darf die Politik von Israel kritisieren.
Aber die Kritik muss sachlich sein.
Sie darf nicht gegen Jüdinnen und Juden hetzen.
Auch die Bundesregierung kritisiert zurzeit manche Entscheidungen der israelischen Regierung.
Das ist möglich.
Aber es muss fair und sachlich bleiben.
Frage:
Hilft eine besondere Regel gegen Antisemitismus?
Dominik Groß sagt:
Ich glaube:
Die RWTH braucht keine eigene Antisemitismus-Klausel.
Eine Klausel ist eine feste Regel.
Wir haben aber einen Werte-Kodex entwickelt.
Ein Werte-Kodex beschreibt:
Was ist uns wichtig?
Darin steht:
- Wir lehnen Rassismus ab.
- Wir lehnen Ausgrenzung ab.
- Wir wollen offen miteinander sprechen.
- Wir wollen Zivilcourage stärken.
Zivilcourage bedeutet:
Menschen schauen nicht weg.
Sie setzen sich für andere ein.
Auch wenn das Mut braucht.
Frage:
Geht es bei Antisemitismus mehr um Wissen oder um Haltung?
Dominik Groß sagt:
Beides ist wichtig.
Wissen und Haltung gehören zusammen.
Menschen brauchen gutes Wissen.
Dann können sie besser Haltung zeigen.
Wenn Menschen wenig wissen, glauben sie schneller an Vorurteile.
Dann urteilen sie schneller falsch über andere Menschen.
Gerade Menschen mit Hochschulbildung können Haltung zeigen.
Und sie sollen Haltung zeigen.
So können sie auch in der Gesellschaft etwas verändern.
Gutes Wissen hilft dabei, dass Menschen gut zusammenleben können.
Frage:
Wie war die Reaktion auf die Veranstaltungs-Reihe gegen Antisemitismus?
Die Veranstaltungs-Reihe hieß:
„Aufklärung statt Ausgrenzung: Antisemitismus im Fokus“.
Dominik Groß sagt:
Die Reaktion war sehr unterschiedlich.
Besonders groß war das Interesse bei zwei Gästen:
Leon Weintraub und Henriette Kretz.
Beide haben den Holocaust überlebt.
Holocaust bedeutet:
Die Nationalsozialisten ermordeten etwa 6 Millionen Jüdinnen und Juden.
Das war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Bei diesen Veranstaltungen gab es mehr Anmeldungen als Plätze.
Bei anderen Terminen kamen weniger Menschen.
Vor dem Vortrag des Journalisten Ronen Steinke gab es eine Warnung.
Es sollte eine Gruppe von Aktivisten kommen.
Deshalb haben wir die Online-Anmeldung geschlossen.
Dann konnten nur noch begrenzt viele Menschen teilnehmen.
So eine Entscheidung ist schwierig.
Wir wollen viele Menschen erreichen.
Aber wir müssen auch für Sicherheit sorgen.
Vielleicht brauchen wir später keine Anmeldung mehr.
Das hängt davon ab, wie angespannt die Lage ist.
Wir arbeiten mit vielen Partnern zusammen:
- mit der Stadt Aachen
- mit der Fachhochschule Aachen
- mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft
- mit der Jüdischen Gemeinde
Frage:
Hat die Veranstaltungs-Reihe etwas bewirkt?
Dominik Groß sagt:
Ja, davon gehe ich aus.
Die Rückmeldungen waren sehr positiv.
Die Podiums-Diskussion am Anfang hat wahrscheinlich am wenigsten bewirkt.
Aber insgesamt war die Reihe wichtig.
So eine Reihe braucht viel Planung.
Und sie kostet Geld.
Trotzdem machen wir im kommenden Winter-Semester weiter.
Wir planen noch.
Wahrscheinlich gibt es drei Veranstaltungen.
Frage:
Arbeitest du auch mit den Kirchen zusammen?
Dominik Groß sagt:
Bis jetzt habe ich noch nicht mit den Kirchen zusammengearbeitet.
Das war aber keine Entscheidung gegen die Kirchen.
Es hat sich einfach noch nicht ergeben.
Wir sind dafür sehr offen.
Hinweis:
Dieser Text in Einfacher Sprache wurde mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt.
Er dient nur zur Information.
Er ist rechtlich nicht bindend.
Gültig ist nur das Original im Alltagssprach-Deutsch.



