Persönlichkeit entwickeln und für andere da sein

Ein FSJ ist für viele junge Menschen gut.Auch wenn gerade viel über Wehrdienst gesprochen wird.Auch wenn Geld fehlt.Und auch wenn weniger junge Menschen die Schule beenden.

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© FSD Aachen

Etwa 250 junge Menschen machen im Bistum Aachen einen freiwilligen sozialen Dienst.
Sie helfen anderen Menschen.
Und sie lernen dabei viel für ihr eigenes Leben.

Von Kathrin Albrecht

In Deutschland wird wieder über einen neuen Wehrdienst gesprochen.

Wehrdienst bedeutet:
Junge Menschen arbeiten für eine bestimmte Zeit bei der Bundeswehr.

Dabei gibt es eine wichtige Frage:

Was passiert, wenn junge Männer keinen Dienst mit Waffen machen wollen?

Vielleicht kommt die Wehrpflicht wieder.
Wehrpflicht bedeutet:
Der Staat kann junge Menschen verpflichten, Dienst bei der Bundeswehr zu machen.

Früher gab es für diese Menschen den Zivildienst.
Zivildienst bedeutet:
Man arbeitet nicht bei der Bundeswehr.
Man hilft zum Beispiel in sozialen Einrichtungen.

Jetzt fragen sich viele:

  • Kommt der Zivildienst zurück?
  • Was bedeutet das für das Freiwillige Soziale Jahr?
  • Was bedeutet das für den Bundesfreiwilligendienst?

Hilfe beim Freiwilligen Sozialen Jahr

Wer ein Freiwilliges Soziales Jahr machen möchte, kann sich beim Verein FSD melden.

FSD bedeutet:
Freiwillige Soziale Dienste im Bistum Aachen.

Der Verein hilft jungen Menschen, eine passende Stelle zu finden.

Es gibt Stellen:

  • in Deutschland,
  • im Ausland.

Im Moment machen etwa 250 junge Erwachsene im Bistum Aachen ein Freiwilliges Soziales Jahr.

Die jungen Menschen sind zwischen 16 und 27 Jahre alt.

Einer von ihnen ist Frithjof Lücking.
Er kommt aus Lüneburg.
Er ist 20 Jahre alt.

Frithjof arbeitet in einer Offenen Ganztagsschule.

Offene Ganztagsschule bedeutet:
Kinder bleiben nach dem Unterricht in der Schule.
Sie essen dort.
Sie machen Hausaufgaben.
Und sie spielen oder lernen gemeinsam.

Frithjof sagt:

„Ich möchte in Aachen Biotechnologie studieren.
Vor dem Studium möchte ich bewusst etwas mit Menschen machen.
Und ich möchte die Stadt kennenlernen.“

Es gibt etwas weniger Freiwillige

Jürgen Roth ist Geschäftsführer beim FSD.

Er sagt:
Die Lage ist im Moment stabil.

Es gibt zwar weniger junge Menschen im FSJ und im Bundesfreiwilligendienst.
Aber der Rückgang ist nicht sehr stark.

Jürgen Roth sagt:

„Wir haben 8 Prozent weniger als im Vorjahr.
Das ist wirklich gut.“

Ein Grund ist die Umstellung von G8 zurück auf G9.

G8 bedeutet:
Schülerinnen und Schüler machen das Abitur nach 8 Jahren am Gymnasium.

G9 bedeutet:
Schülerinnen und Schüler machen das Abitur nach 9 Jahren am Gymnasium.

Durch die Umstellung gibt es in diesem Jahr einen ganzen Abitur-Jahrgang weniger.

Etwa 40 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber für ein freiwilliges Jahr haben Abitur.
Darum gibt es in diesem Jahr weniger Bewerbungen.

Jürgen Roth sagt aber:

„Unser Problem ist eher:
Zu wenige Einrichtungen melden sich bei uns.
Sie bieten zu wenige Stellen für ein FSJ oder einen Bundesfreiwilligendienst an.“

Eine FSJ-Stelle kostet Geld

Eine Stelle im Freiwilligen Sozialen Jahr kostet die Einrichtung 980 Euro im Monat.

In diesem Geld sind zum Beispiel enthalten:

  • Kosten für Bildung,
  • Beiträge zur Sozialversicherung.

Sozialversicherung bedeutet:
Menschen sind zum Beispiel versichert für Krankheit, Pflege oder Rente.

Eine Stelle im Bundesfreiwilligendienst kostet etwas weniger.
Sie kostet 750 Euro im Monat.

Es gibt Geld vom Bund und vom Land.
Die Bundesregierung hat die Förderung für das FSJ sogar erhöht.

Trotzdem müssen viele Einrichtungen sparen.
Darum bieten sie weniger Stellen an.

Freiwillige Dienste gibt es schon lange

Freiwillige Dienste gibt es in Deutschland seit 1954.

Damals hieß das Angebot:
„Diakonisches Jahr der evangelischen Kirche“.

1959 übernahm die katholische Kirche die Idee.

In Aachen gründete die katholische Frauenjugend im Jahr 1961 eine Arbeitsgemeinschaft.
Sie hieß:
„Jahr für den Nächsten“.

Damals arbeiteten 9 junge Frauen in verschiedenen Einrichtungen.
Sie bekamen dafür ein Taschengeld von 50 D-Mark.

D-Mark war früher das Geld in Deutschland.

In den 1990er Jahren kamen Freiwilligendienste im Ausland dazu.
Dadurch wurde das Angebot für junge Menschen noch interessanter.

Uta Hillermann arbeitet beim FSD.
Sie ist pädagogische Mitarbeiterin für den Auslandsbereich.

Sie sagt:

„Bischof Hemmerle waren die Freiwilligendienste sehr wichtig.“

Was verändert ein neuer Wehrdienst?

Jürgen Roth sagt:

Noch ist unklar, ob ein neuer Wehrdienst die Freiwilligendienste verändert.
Und es ist unklar, wie stark sich etwas verändert.

Jürgen Roth kennt die frühere Wehrpflicht noch selbst.
Er hat damals Zivildienst gemacht.
Er arbeitete in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung.

Er sagt:

„Daneben war der Freiwilligendienst eine weitere Möglichkeit.
Zum Beispiel, wenn man weder Wehrdienst noch Zivildienst machen wollte.“

Für junge Männer war das FSJ also früher eine Alternative.

Wenn die Wehrpflicht wiederkommt, könnte das wieder so werden.

Im Moment wird das Zivildienstgesetz überarbeitet.
Ein erster Entwurf soll bis Ende des Jahres fertig sein.

Jürgen Roth sagt:

„Wie das genau aussehen soll, ist aber noch unklar.“

Beim Geld gibt es große Unterschiede

Eine wichtige Frage ist:
Wie viel Geld bekommen junge Menschen für ihren Dienst?

Bei der Bundeswehr gibt es für die Grundausbildung 2.600 Euro im Monat.

Wer mindestens 12 Monate Dienst macht, kann außerdem Geld für den Führerschein bekommen.

Da können Freiwilligendienste kaum mithalten.

Im Moment bekommen Freiwillige 483 Euro im Monat.
Im nächsten Kursjahr bekommen sie 495 Euro im Monat.

Carla Ganser arbeitet auch beim FSD.
Sie ist pädagogische Mitarbeiterin.

Sie sagt:

„Das reicht kaum zum Leben.
Für viele ist das Freiwillige Soziale Jahr eher ein Privileg.“

Damit meint sie:
Nicht alle jungen Menschen können sich ein FSJ leisten.
Denn sie bekommen wenig Geld.

Es gibt weniger junge Menschen

Auch wenn Geld kein Problem wäre, bleibt eine Schwierigkeit:

Es gibt weniger junge Menschen als früher.

Das nennt man demografische Entwicklung.

Jürgen Roth sagt:

„Es gibt einfach weniger junge Menschen.“

Er sagt auch:

„Freiwillig bedeutet auch:
Man kann sich dafür entscheiden, gar nichts zu machen.
Diese Freiheit wäre kleiner, wenn es wieder eine Wehrpflicht gibt.“

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© Kathrin Albrecht

Frithjof Lücking absloviert vor seinem Studium in Aachen ein freiwilliges soziales Jahr: „Ich habe Selbstvertrauen gewonnen. Wenn ich das, was ich gelernt habe, mit dem Studium zusammenbringen kann, kann ich nur profitieren.“

Frithjof denkt viel über die aktuelle Diskussion nach.
Auch wenn sie ihn nicht direkt betrifft.

Er sagt:

„Ich ärgere mich darüber.
Denn junge Menschen kommen in der Politik zu wenig vor.
Aber ich finde es auch gut, dass darüber gesprochen wird.“

Frithjof bereut seine Entscheidung für das Freiwillige Jahr nicht.

Er sagt:

„Ich habe viel Selbstvertrauen bekommen.
Auch wenn ich danach etwas anderes mache.
Ich kann viel davon nutzen.“

Er kennt aber auch Vorurteile.

Manche Menschen aus seinem Umfeld haben gesagt:
Ein Freiwilligendienst ist etwas für faule Menschen.

Seine Eltern haben ihn aber sehr unterstützt.

Frithjof sagt:

„Meine Mutter arbeitet bei der Lebenshilfe.
Sie hat mir viel Mut gemacht.“

Würde Frithjof Reservist werden?

Reservist bedeutet:
Ein Mensch ist nicht immer bei der Bundeswehr.
Aber er kann im Notfall helfen.

Frithjof wird gefragt:
Würdest Du eine Ausbildung als Reservist machen?

Er sagt:

„Das ist schwer.
Niemand will Krieg.
Aber wenn es nötig ist, möchte ich die Demokratie verteidigen.“

Auch Jürgen Roth sieht die Frage von mehreren Seiten.

Er sagt:

„Als ich mich für den Zivildienst entschieden habe, war die Welt anders.
Deshalb war auch die Entscheidung anders.“

Mehr Informationen

Mehr Informationen gibt es hier:
www.fsd-aachen.de

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