Queer. Katholisch. Gut - und sichtbar
Der Fotograf Martin Niekämper spricht über die Aktion #outinchurch. Er spricht auch darüber, warum er die Kirche wichtig findet. Aber er sieht auch Probleme in der Kirche.

© Martin Niekämper
Marie Kortenbusch und Monika Schmelter haben bei der Aktion mitgemacht.
Sie finden: Die katholische Kirche verletzt die Würde von queeren Menschen.
Von Garnet Manecke
Im Januar 2022 haben sich 125 queere Menschen öffentlich gezeigt.
Sie haben gesagt: Wir sind queer. Und wir arbeiten in der katholischen Kirche.
Die Aktion hieß: #outinchurch – für eine Kirche ohne Angst.
Für eine Ausstellung hat der Fotograf Martin Niekämper einige dieser Menschen fotografiert.
Er zeigt ihre Gesichter und ihre Geschichten.
Darüber hat Garnet Manecke mit ihm gesprochen.
Warum zeigen Sie queere Menschen in der Kirche?
Martin Niekämper hat zuerst einen Bericht in der Tagesschau gesehen.
Darin ging es um #outinchurch.
Er war überrascht.
Und er fand die Aktion sehr wichtig.
Später suchte er ein Thema für seine Abschluss-Arbeit im Fotografie-Studium.
Da dachte er wieder an #outinchurch.
Er sagt:
Ein Thema für so eine Arbeit muss einem wirklich wichtig sein.
Bei #outinchurch war das so.
Warum sind Öffentlichkeit und Sichtbarkeit für dieses Projekt wichtig?
Niekämper: Eine Aktion wie #outinchurch muss immer wieder sichtbar sein. Am Anfang war nur eine Ausstellung geplant. Dann habe ich gedacht: Ich möchte die Menschen und ihre Erfahrungen unterstützen. Das Thema soll immer wieder gezeigt werden. Die Ausstellungen sind dafür gut. So erreicht man auch Menschen, die das Thema nicht kennen oder anders sehen. Ich habe oft Menschen getroffen, die sagten: Wir wussten gar nicht, dass es dieses Projekt gibt. Sie hatten noch nie von #outinchurch gehört.
Warum ist Sichtbarkeit so wichtig?
Martin Niekämper sagt: #outinchurch darf nicht vergessen werden.
Viele Menschen wissen noch gar nicht, dass es diese Aktion gibt.
Am Anfang war nur eine Ausstellung geplant.
Dann wurde klar:
Die Geschichten der Menschen müssen immer wieder gezeigt werden.
Ausstellungen helfen dabei.
Denn dort kommen auch Menschen hin, die wenig über queere Menschen in der Kirche wissen.
Wie hat Martin Niekämper die Menschen gefunden?
Er hat den Verein #outinchurch angeschrieben.
Der Verein fand seine Idee gut.
Dann wurde seine Anfrage an Teilnehmende der Aktion weitergeleitet.
Zuerst meldeten sich nur wenige Personen.
Später kamen weitere dazu.
Am Ende hatte Martin Niekämper zehn Menschen gefunden.
Mit ihnen konnte er das Fotoprojekt beginnen.

© Martin Niekämper
Silvia Köln, 35 Jahre, Köln, Gesundheits-und Krankenpflegerin, verheiratet mit Silke Köln: „Ich möchte, dass meine Kirche es meinem Gott gleichtut … denn: Mein Gott liebt jeden Menschen.“
Wie hat Martin Niekämper Vertrauen aufgebaut?
Vor jedem Foto-Termin hat Martin Niekämper mit den Personen per Video gesprochen.
Zuerst dachte er:
Ich kann alle Menschen persönlich besuchen.
Denn eigentlich sollte alles in Nordrhein-Westfalen stattfinden.
Dann merkte er:
Das geht nicht.
Die Personen leben in ganz Deutschland.
Die Video-Gespräche fanden ungefähr eine Woche vor dem Foto-Termin statt.
So konnten sich alle kennenlernen.
Sie sprachen zum Beispiel über diese Fragen:
- Was machen die Personen beruflich?
- Wo arbeiten sie?
- Wie kamen sie zu #outinchurch?
- Wann hatten sie ihr Coming-out?
- Wie läuft der Foto-Termin ab?
Dadurch waren sie sich beim Treffen nicht mehr fremd.
Martin Niekämper war immer früher in der Kirche.
Er schaute sich Orte für die Fotos an.
Er baute sein Stativ auf.
Und er stellte das Licht ein.
Ein Foto-Termin dauerte ungefähr drei bis dreieinhalb Stunden.
Währenddessen fragte er immer wieder:
Geht es Dir gut?
Ist alles in Ordnung?
Er sagt: Man sieht den Bildern an, dass Vertrauen da war.
Konnten die Personen mitentscheiden?
Ja.
Vor dem Foto-Termin fragte Martin Niekämper:
Gibt es eine Kirche, in der Du Dich wohlfühlst?
Fast alle Personen wählten ihre eigene Heimatkirche aus.
Nur zwei Personen entschieden sich für einen anderen Ort.
Ein vertrauter Ort hilft bei so einem Foto-Termin.
Martin Niekämper machte einen Vorschlag.
Dann fragte er immer wieder, ob alles in Ordnung ist.
Die meisten Personen ließen sich von ihm leiten.

© Martin Niekämper
Christoph Simonsen, 67 Jahre, katholischer Priester, Citykirche Mönchengladbach: „Mit dieser Aktion verbinde ich für mich die letzte Hoffnung, dass in unserer Kirche endlich Liebe auch Liebe genannt werden darf, wenn ein Mann einen Mann, eine Frau eine Frau liebt oder ein Transmensch seine Identität und sein Gegenüber gefunden hat.“
Gab es Begegnungen, die besonders bewegt haben?
Ja.
Martin Niekämper erzählt von einem Paar.
Die beiden lebten 40 Jahre zusammen.
Sie hatten die ganze Zeit Angst, sich zu outen.
Beide arbeiteten für die Kirche.
Aber in unterschiedlichen Berufen.
Und an unterschiedlichen Orten.
Eine Person fuhr von zu Hause 50 Kilometer in eine Richtung.
Die andere fuhr 60 Kilometer in eine andere Richtung.
Warum?
Damit sie sich beruflich nicht zufällig begegnen.
Auch die Geschichte eines jungen Mannes blieb Martin Niekämper in Erinnerung.
Der junge Mann war fast am Ende seiner Ausbildung.
Dann outete er sich öffentlich bei #outinchurch.
Danach verhielten sich Kolleginnen und Kollegen anders ihm gegenüber.
Später besuchte ihn die Ausbildungsleiterin der kirchlichen Einrichtung in der Berufsschule.
Sie schlug ihm vor, den Ausbildungsvertrag aufzuheben.
Er war so durcheinander, dass er unterschrieb.
Ein halbes Jahr vor dem Ende der Ausbildung war er raus.
Diese Geschichte wird auch in der Ausstellung erzählt.
Über einen QR-Code können Besucherinnen und Besucher mehr dazu erfahren.
Was hat Martin Niekämper über queere Menschen in der Kirche gelernt?
Er hat gelernt:
Queere Menschen in der Kirche erleben Ablehnung.
Manche wurden angefeindet.
Manche werden bis heute angefeindet.
Er hat aber auch gelernt:
Wenn Menschen sich zusammentun, können sie etwas verändern.
Das hat ihn beeindruckt.
Er sagt:
Das Thema muss sichtbar bleiben.
Bei einer Ausstellung in Stuttgart gab es ein Gästebuch.
Dort schrieb jemand eine schlimme Drohung gegen Menschen, die sich für LGBTQ+ in der Kirche einsetzen.
Das wurde der Polizei gemeldet.
Solche extremen Anfeindungen gab es bei den vielen Ausstellungen nur einmal.
Aber es gab auch andere kritische Einträge.
Zum Beispiel:
Manche fanden es nicht gut, dass das Thema gezeigt wird.
Oder dass sich zwei Menschen auf einem Bild küssen.
Martin Niekämper sagt auch:
Für so ein Projekt braucht man Vertrauen.
Ohne Vertrauen wären die Bilder nicht so geworden.
Hat sich die Situation queerer Freundinnen und Freunde verändert?
Martin Niekämper hat queere Freundinnen und Freunde, die in der Kirche arbeiten.
Er sagt:
Viele gehen heute offener damit um.
Aber manche haben immer noch Angst, offen zu sagen, dass sie queer sind.
Das hängt auch davon ab, welche Aufgabe sie in der Kirche haben.
Warum bleiben queere Menschen in der Kirche?
Martin Niekämper sagt:
Viele wollen die Kirche verändern.
Sie sagen:
Wenn ich aus der Kirche weggehe, kann ich in der Kirche nichts verändern.
Das ist auch ein Ziel von #outinchurch.
Die Menschen sind gläubig.
Sie arbeiten in der Kirche.
Und sie wollen dort bleiben.
Sie wollen durch ihr Wirken Veränderungen möglich machen.
Rainer Teuber vom Domschatz Essen hat gesagt:
„Die katholische Kirche muss endlich anerkennen:
Queere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ein wichtiger Teil des kirchlichen Fundaments.
Sie schwächen die Kirche nicht.
Sie stärken sie.“
Martin Niekämper findet das sehr wichtig.
Wie sieht Martin Niekämper heute die Kirche?
Martin Niekämper war früher Messdiener.
Aus der Kirche ist er nie ausgetreten.
Aber manche Dinge machen ihm Schwierigkeiten.
Zum Beispiel:
- dass es überhaupt einen Verein wie #outinchurch geben muss
- der Umgang der Kirche mit queeren Menschen
- der Umgang mit Betroffenen sexualisierter Gewalt
Gleichzeitig sagt er:
Die Kirche ist für den Zusammenhalt der Gesellschaft wichtig.
Sie unterstützt zum Beispiel Krankenhäuser und soziale Einrichtungen.
Deshalb ist sein Blick auf die Kirche zweigeteilt.
Hat das Projekt seinen Blick auf die Kirche verändert?
Ja.
Martin Niekämper wusste früher nicht, wie stark queere Menschen in der Kirche benachteiligt wurden.
Er wusste:
In der katholischen Lehre gelten vor allem Mann und Frau als Paar.
Und die Ehe gilt nur zwischen Mann und Frau.
Aber er wusste nicht, dass das auch Folgen für das Arbeitsrecht hatte.
Das erfuhr er erst durch den Bericht in der Tagesschau.
Seine Reaktion war:
So geht es nicht.
Er fand gut, dass #outinchurch an die Öffentlichkeit gegangen ist.
Darum wollte er mit seinen Fotos helfen, mehr Öffentlichkeit zu schaffen.
Warum wirken die Fotos oft einsam?
Viele Fotos sind symbolisch gemeint.
Ein Beispiel:
Ein kleiner Mensch steht in einer Ecke.
Im Vordergrund ist ein großes Kreuz.
Das Bild zeigt:
Die katholische Kirche wirkt mächtig.
Der einzelne queere Mensch kann sich klein und verloren fühlen.
Die ersten zehn Porträts entstanden im Jahr 2022.
Damals war alles noch neu.
Niemand wusste, wie es weitergeht.
Deshalb wollte Martin Niekämper ernste Bilder machen.
Denn das Thema ist ernst.
Vielleicht würde er heute manche Bilder anders machen.
Denn seitdem hat sich etwas verändert.
Für eine Ausstellung in Marburg im Jahr 2027 plant er neue Porträts.
Gab es Reaktionen aus der Kirche?
Martin Niekämper war positiv überrascht, dass das Thema aufgegriffen wurde.
Er sagt aber auch:
Eigentlich hätte das schon viel früher passieren müssen.
Es gab Veränderungen.
Aber noch nicht genug.
#outinchurch hat sieben Kernforderungen.
Bisher wurde nur eine davon umgesetzt.
Martin Niekämper kritisiert auch Regeln zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.
Er fragt:
Warum kann man queere Paare nicht einfach ohne Einschränkung segnen?
Was sollen Besucherinnen und Besucher mitnehmen?
Martin Niekämper wünscht sich:
Die Menschen sollen sehen, dass hinter dem Thema echte Menschen stehen.
Es geht um einzelne Lebensgeschichten.
Es geht um Erfahrungen.
Und es geht um Würde.
In der Ausstellung gibt es Bildtafeln mit QR-Codes.
Darüber können Besucherinnen und Besucher Videos ansehen.
In den Videos erzählen die porträtierten Menschen ihre Geschichten selbst.
Zur Person
Martin Niekämper wurde 1965 in Dortmund geboren.
Zuerst arbeitete er in Köln als Lehrer für Sonderpädagogik.
Danach studierte er Fotografie an der Fotoakademie Köln.
Heute arbeitet er als freier Fotograf.
Sein Schwerpunkt ist Fotografie für Forschung und Wissenschaft.
Weitere Informationen:
https://www.niekaemper-fotografie.com/projekt-outinchurch
Hinweis:
Dieser Text in Einfacher Sprache wurde mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt.
Er dient nur zur Information.
Er ist rechtlich nicht bindend.
Gültig ist nur das Original im Alltagssprach-Deutsch.






