Freiwilliger Wehrdienst: eine Frage des Gewissens
Zwei junge Menschen erzählen ihre Meinung.Sie zeigen:Die Entscheidung für oder gegen den Wehrdienst ist nicht leicht.

Von Marco Führer
Viele junge Männer bekommen Post von der Bundeswehr.
Das passiert nach ihrem 18. Geburtstag.
Bis Ende des Jahres bekommen etwa 300.000 junge Männer einen Fragebogen.
In dem Fragebogen geht es um diese Frage:
Möchtest Du freiwilligen Wehrdienst machen?
Wehrdienst bedeutet:
Ein Mensch arbeitet für eine bestimmte Zeit bei der Bundeswehr.
Die jungen Männer müssen den Fragebogen ausfüllen.
Junge Frauen bekommen den Fragebogen auch.
Sie müssen ihn aber nicht ausfüllen.
Connor Clever will keinen Wehrdienst machen
Connor Clever kommt aus Kempen.
Er ist im Januar 18 Jahre alt geworden.
Er hat den Fragebogen schon ausgefüllt und abgeschickt.
Connor sagt:
„Für mich war sofort klar:
Ich habe keine Lust auf freiwilligen Wehrdienst.“
Er lehnt Gewalt ab.
Aber das ist nicht der einzige Grund.
Connor findet den Fragebogen schwierig.
Er sagt:
Viele junge Männer sollen jetzt eine wichtige Entscheidung treffen.
Aber viele haben über Wehrdienst noch gar nicht richtig nachgedacht.
Connor sagt auch:
„In unserem Alter finde ich Wehrdienst schwierig.“
Er kennt nur wenige Menschen, die Wehrdienst gut finden.
Einige finden Wehrdienst gut.
Aber auch sie finden den Zeitpunkt schlecht.
Denn viele junge Menschen stehen kurz vor dem Abitur.
Sie haben gerade andere Sorgen.
Das Thema Krieg macht vielen Angst
Connor sagt:
Wehrdienst hat immer mit Risiken zu tun.
Er sagt:
„Das Thema Krieg macht mir und vielen Menschen in meinem Umfeld ein schlechtes Gefühl.“
Connor engagiert sich bei der KjG St. Hubert Kempen.
KjG bedeutet:
Katholische junge Gemeinde.
Das ist ein Jugendverband der katholischen Kirche.
Connor versteht aber auch, warum über Wehrdienst gesprochen wird.
Er sagt:
„Mit dem Wehrdienst schützen wir natürlich die Soldaten im Land.
In Krisenzeiten finde ich das wichtig.“
Connor ist offen für andere Dienste
Connor kann sich andere Dienste vorstellen.
Zum Beispiel einen Zivildienst.
Zivildienst bedeutet:
Ein Mensch arbeitet nicht bei der Bundeswehr.
Er hilft zum Beispiel in sozialen Einrichtungen.
Connor findet aber:
Jeder Dienst muss freiwillig sein.
Er sagt:
Ein Pflichtdienst kostet viel Zeit.
Das ist schwer für Menschen, die früh arbeiten wollen.
Oder für Menschen, die früh studieren wollen.
Connor findet auch Gleichberechtigung wichtig.
Das bedeutet:
Männer und Frauen sollen die gleichen Möglichkeiten und Rechte haben.
Deshalb sagt er:
Männer und Frauen sollten einen Dienst leisten können.
Arno Odermatt will zur Bundeswehr gehen
Arno Odermatt ist 20 Jahre alt.
Er ist also etwas älter als die jungen Menschen, die jetzt den Fragebogen bekommen.
Für Arno wäre die Gewissensfrage kein Problem gewesen.
Gewissen bedeutet:
Ein Mensch fragt sich:
Ist das richtig, was ich tue?
Kann ich das mit meinen Werten vereinbaren?
Arno macht gerade einen Bundesfreiwilligendienst bei der Kolpingjugend in Mönchengladbach.
Bundesfreiwilligendienst bedeutet:
Ein Mensch arbeitet freiwillig für eine bestimmte Zeit in einer sozialen Einrichtung oder bei einer Organisation.
Bald geht Arno freiwillig zur Bundeswehr.
Er sagt:
„Ich möchte Soldat auf Zeit werden.
So kann ich Notfallsanitäter werden.“
Soldat auf Zeit bedeutet:
Ein Mensch arbeitet für mehrere Jahre bei der Bundeswehr.
Notfallsanitäter helfen Menschen in medizinischen Notfällen.
Zum Beispiel nach einem Unfall.
Oder bei einer schweren Verletzung.
Arno sieht die Bundeswehr als Verteidigungs-Armee
Arno sagt:
Die Bundeswehr ist eine Armee zur Verteidigung.
Das bedeutet:
Sie soll Deutschland und andere Menschen schützen.
Sie soll keinen Angriffskrieg führen.
Deshalb kann Arno den Dienst für sich moralisch vertreten.
Moralisch vertreten bedeutet:
Er kann sagen:
Für mich ist das richtig.
Ich kann das mit meinem Gewissen vereinbaren.
Arno sagt:
„Wenn die Bundeswehr irgendwo im Einsatz ist, gibt es dafür einen guten Grund.“
Er möchte aber nicht auf Menschen schießen, wenn es anders geht.
Er sagt:
„Ich möchte lieber anders helfen.
Ich will Soldaten im Notfall versorgen.
Ich sehe es als meine Pflicht, ihnen zu helfen.“
In seinem Umfeld gibt es einige Menschen, die ähnlich denken.
Einige haben sich schon für einen Dienst bei der Bundeswehr entschieden.
Arno hilft gern anderen Menschen
Anderen Menschen zu helfen, ist Arno wichtig.
Vor seinem Bundesfreiwilligendienst bei der Kolpingjugend hat er in der Altenhilfe geholfen.
Altenhilfe bedeutet:
Menschen unterstützen ältere Menschen.
Zum Beispiel im Alltag oder in einer Einrichtung.
Was macht die Bundeswehr mit dem Fragebogen?
Seit Anfang des Jahres schickt die Bundeswehr einen Online-Fragebogen.
Der Fragebogen geht an alle Männer und Frauen des Jahrgangs 2008 mit deutscher Staatsbürgerschaft.
Mit dem Fragebogen will die Bundeswehr herausfinden:
- Wer möchte Wehrdienst leisten?
- Wer ist für den Wehrdienst geeignet?
- Welche Fähigkeiten haben die jungen Menschen?
- Wie fit sind die jungen Menschen körperlich?
Die Bundeswehr schreibt auf ihrer Website:
Der Wehrdienst ist grundsätzlich freiwillig.
Nur Männer müssen den Fragebogen ausfüllen.
Geeignete Personen lädt die Bundeswehr zur Musterung ein.
Musterung bedeutet:
Die Bundeswehr prüft:
Ist eine Person für den Wehrdienst geeignet?
Danach können die jungen Menschen 6 bis 11 Monate Wehrdienst leisten.
Oder sie können sich für längere Zeit verpflichten.
Dann werden sie Soldatin oder Soldat auf Zeit.



