Die Geschichte der Menschen, über die sonst keiner spricht
Die Nazis fanden Menschen mit psychischen Krankheiten wertlos. Studierende aus Aachen erinnern an die Opfer. Sie geben ihnen Namen und Würde zurück.

In der Nazi-Zeit wurde Haus 5 in Düren frei gemacht.
Dort kamen dann forensische Patienten aus der ganzen Region hin.
Forensische Patienten sind Menschen, die psychisch krank sind und mit dem Gericht zu tun haben.
Von Stephan Johnen
Viele Patientinnen und Patienten mit Behinderungen verloren in der Nazi-Zeit ihre Würde.
Manche hatten eine körperliche Behinderung.
Manche hatten eine geistige Behinderung.
Manche waren psychisch krank.
Ärzte zwangen viele von ihnen zu einer Sterilisation.
Sterilisation bedeutet: Ein Mensch kann danach keine Kinder mehr bekommen.
Andere Menschen wurden ermordet.
Das geschah bei der sogenannten T4-Aktion.
Bei dieser Aktion töteten die Nazis kranke Menschen und Menschen mit Behinderungen.
Viele wurden in Gaskammern ermordet.
Die Nazis nannten diese Menschen „unwertes Leben“.
Das bedeutet: Die Nazis fanden, dass diese Menschen nicht leben sollten.
Das war menschenverachtend.
Viele Ärzte wollten diese Menschen nicht mehr heilen.
Sie folgten den Rasse-Gesetzen der Nazis.
Kann so etwas heute wieder passieren?
Auch 80 Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur?
Mit dieser Frage haben sich Studierende aus Aachen beschäftigt.
Sie haben ein Forschungs-Projekt gemacht.
Sie untersuchten das Leben von Patientinnen und Patienten in der Rheinischen Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Düren.
Sie wollten wissen: Was ist dort in der Nazi-Zeit passiert?
Erst 80 Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur hat der Bundestag einen wichtigen Beschluss gefasst.
Das war am 29. Januar 2025.
Die Opfer der Nazi-„Euthanasie“ und die Opfer von Zwangs-Sterilisationen sollen als Verfolgte des Nazi-Regimes anerkannt werden.
„Euthanasie“ war ein Wort der Nazis.
Sie meinten damit die Ermordung von kranken Menschen und Menschen mit Behinderungen.
Luka Kappertz sagt:
„Unsere Ergebnisse zeigen: Es ist gefährlich, wenn medizinische Ethik und menschliche Werte nicht mehr wichtig sind.“
Medizinische Ethik bedeutet:
Ärztinnen und Ärzte müssen Menschen helfen.
Sie müssen das Leben schützen.
Sie dürfen Menschen nicht schaden.
Die Studierenden arbeiteten in einem Seminar.
Das Seminar leitete der Historiker Dr. Christian Bremen.
Die Studierenden untersuchten Patienten-Akten.
Die Akten liegen im Archiv des Landschaftsverbands Rheinland.
Die Studierenden wählten die Akten zufällig aus.
So erforschten sie das Leben von mehreren Menschen aus Aachen.
Diese Menschen wurden Opfer der Nazi-Gesundheitspolitik.
Ihre Geschichten wurden lange nicht erzählt.
Jetzt werden ihre Geschichten veröffentlicht.
Das geschieht im Projekt „we, the six million“ der Staatskanzlei NRW.
Am 1. Januar 1934 trat ein neues Gesetz in Kraft.
Es hieß: „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“.
Das Gesetz war eines der ersten Gesetze der Nazi-Regierung zur sogenannten „Rassen-Hygiene“.
Die Nazis wollten damit bestimmen, wer Kinder bekommen durfte und wer nicht.
Danach kamen weitere unmenschliche Gesetze.
Die Nazis wollten die sogenannte „arische Rasse“ rein halten.
Dafür nutzten sie auch Zwangs-Sterilisationen.
Mit dem Krieg wurden Lebensmittel knapp.
Auch andere wichtige Dinge wurden knapp.
Deshalb töteten die Nazis immer mehr Menschen mit Behinderungen.
Ein Beispiel:
Am 9., 11. und 16. April 1940 brachten die Nazis 146 Patienten aus der Dürener Anstalt weg.
Sie kamen in das frühere Zuchthaus Brandenburg.
Ein Zuchthaus war ein Gefängnis.
Wahrscheinlich wurden diese Menschen dort noch am Tag ihrer Ankunft ermordet.
Sie wurden wahrscheinlich in einer Gaskammer getötet.

© Stephan Johnen
Auf Spurensuche: Daniel Kamper, Judith Wirth und Luka Kappertz (von links).
Die Studierenden Timo Bergs, Daniel Kamper, Luka Kappertz, Leon Sondermann und Judith Wirth untersuchten die Geschichten von Menschen, die zwangs-sterilisiert wurden.
Ihre Untersuchung zeigt:
Die Nazis nutzten das Gesetz nicht nur aus medizinischen Gründen.
Sie nutzten es auch, um Menschen zu kontrollieren.
Sie grenzten Menschen aus, die sie nicht mochten.
Die Untersuchung zeigt auch:
Die Nazi-Propaganda war sehr wirksam.
Propaganda bedeutet: Menschen werden mit bestimmten Botschaften beeinflusst.
Die Nazis verbreiteten so ihre Denkweise in vielen Bereichen des Lebens.
Die Studierenden zeigen auch die Rolle der Ärzte.
Viele Ärzte stellten ihre Diagnosen nach rassistischen und antisemitischen Ideen.
Antisemitisch bedeutet: judenfeindlich.
Zwei Beispiele zeigen:
Einige Ärzte unterstützten die Nazis ganz klar.
Nach dem Krieg konnten viele von ihnen trotzdem weiter Karriere machen.
Andere Ärzte hatten Mitgefühl.
Sie versuchten, manche Patientinnen und Patienten zu schützen.
Sie wollten Sterilisationen oder noch Schlimmeres verhindern.
Trotzdem waren auch diese Ärzte Teil des Systems.
Auch sie waren in die Verbrechen des Nazi-Regimes verwickelt.
Solche Gesetze gab es damals auch in anderen Ländern.
Zum Beispiel in anderen europäischen Ländern.
Auch in einigen Bundesstaaten der USA gab es ähnliche Gesetze.
Dort konnten Menschen einer Sterilisation manchmal freiwillig zustimmen.
In Nazi-Deutschland war es aber oft nicht freiwillig.
Viele Menschen wurden gezwungen.
Ein besonderes Gericht entschied über die Sterilisation.
Es hieß Erbgesundheitsgericht.
Zu diesem Gericht gehörten: ein Amtsrichter,
ein Amtsarzt,
und ein Arzt mit Wissen über die sogenannte Erbgesundheitslehre.
Anträge auf Sterilisation konnten verschiedene Personen stellen.
Zum Beispiel die betroffenen Menschen selbst.
Aber auch Amtsärzte.
Oder Leiter von Krankenhäusern, Heilanstalten und Pflegeanstalten.

© Stephan Johnen
Haus 5 ist ein Symbol für die forensische Psychiatrie. Dort befindet sich heute das Zentrum des LVR-Projektes „Forum Psychiatrie“ zur Geschichte und Gegenwart der Psychiatrie im Rheinland. Für die dunklen Zeiten steht die doppelt vergitterte Bärenzelle.
Daniel Kamper sagt:
„Die Menschen verloren ihre Würde wegen der rassistischen Ideen der Nazis.
Wir möchten ihnen ihre Würde zurückgeben.
Darum erzählen wir ihre Geschichten.
Wir berichten über die Nazi-Zeit und halten die Erinnerung wach.“
Die Geschichte der Opfer hängt eng mit der Geschichte der Täter zusammen.
Viele Täter konnten nach 1945 einfach weiterarbeiten.
Die Opfer blieben allein mit dem Unrecht, das sie erlebt hatten.
Sie bekamen keine Hilfe nach dem Bundes-Entschädigungs-Gesetz.
Dieses Gesetz sollte Opfern des Nazi-Regimes helfen.
Aber viele Opfer der Nazi-„Euthanasie“ und der Zwangs-Sterilisationen wurden lange nicht anerkannt.
Viele Menschen wollten dieses Kapitel der Geschichte vergessen.
Andere wollten es verdrängen.
Oder sie stellten die Ereignisse anders dar.
Lange Zeit interessierten sich nur wenige Menschen ernsthaft für diese Opfer.
Luka Kappertz sagt:
„Die persönlichen Schicksale machen die Verbrechen sehr greifbar.
Das ist anders, als nur Zahlen und Statistiken zu lesen.“
Die Studierenden sagen:
„Für uns heute heißt das: Wir müssen genau hinschauen.
Welche Rolle haben Medizin und Wissenschaft in der Gesellschaft?
Wir müssen aus der Vergangenheit lernen.“
Daniel Kamper sagt:
„Wir müssen uns immer klar machen: So etwas darf nie wieder passieren.“
Er meint damit die Verbrechen der Nazi-Zeit.
Diese Verbrechen wurden im Namen der Medizin begangen.
Darum ist es auch heute wichtig, sich mit der Geschichte zu beschäftigen.
Die Studierenden sagen gemeinsam:
„Nie wieder ist jetzt.“
Die Geschichte von Haus 5 in der Nazi-Zeit

© Stephan Johnen
Dokumentationszentrum: Regelmäßig finden in Haus 5 Veranstaltungen und Ausstellungen statt.
Haus 5 steht auf dem Gelände der heutigen LVR-Klinik in Düren.
Es wurde im Jahr 1900 eröffnet.
Damals hieß es: „Pavillon für 48 irre Verbrecher“.
Dieses Wort ist heute verletzend.
Es zeigt aber, wie man damals über psychisch kranke Menschen dachte.
In Haus 5 sollten Patienten leben, die besonders stark bewacht werden mussten.
In der Nazi-Zeit wurden dort vor allem Menschen untergebracht, die die Nazi-Justiz so nannte: „verbrecherische Geisteskranke“.
Aber viele dieser Menschen waren keine gefährlichen Gewalttäter.
Viele waren auch nicht schwer psychisch krank.
Viele kamen wegen kleiner Straftaten nach Haus 5.
Zum Beispiel wegen Diebstahl, Betrug oder Brandstiftung.
Auch andere Menschen wurden eingewiesen.
Zum Beispiel Menschen wegen ihrer Homosexualität.
Oder Menschen wegen ihrer politischen Meinung.
Dazu gehörten Kommunisten, Sozialdemokraten und Zeugen Jehovas.
Im Krieg kamen auch Soldaten dazu.
Sie wurden verfolgt, weil sie geflohen waren.
Oder weil man ihnen „Wehrkraftzersetzung“ vorwarf.
„Wehrkraftzersetzung“ war ein Begriff der Nazis.
Damit bestraften sie Menschen, die angeblich der Armee oder dem Krieg schadeten.
Hinweis:
Dieser Text in Einfacher Sprache wurde mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt.
Er dient nur zur Information.
Er ist rechtlich nicht bindend.
Gültig ist nur das Original im Alltagssprach-Deutsch.



