»Wenn wir jetzt handeln, schaffen wir das«
Nils Goldschmidt sagt: Gemeinwohl ist wichtig für die Wirtschaft. Gleiche Chancen, Zusammenhalt und gute Geschichten helfen gegen Spaltung.

Von Stephan Johnen
Prof. Dr. Nils Goldschmidt ist Theologe und Ökonom.
Theologe bedeutet: Er beschäftigt sich mit Glauben und Religion.
Ökonom bedeutet: Er beschäftigt sich mit Wirtschaft.
Nils Goldschmidt sagt:
„Nur in Demokratien können alle Menschen frei leben.“
Demokratie bedeutet:
Die Menschen dürfen mitbestimmen.
Sie dürfen wählen.
Und sie haben Rechte.
Nils Goldschmidt sagt auch:
Gemeinwohl bedeutet nicht nur: Ich habe Rechte.
Gemeinwohl bedeutet auch: Ich habe Pflichten.
Ich muss auch an andere Menschen denken.
Frage:
Nils, im November hast du bei „Kirche trifft Politik“ in Aachen über Gemeinwohl gesprochen.
Klingt Gemeinwohl in der harten Weltpolitik nicht zu schön, um wahr zu sein?
Nils Goldschmidt:
Nein.
Gemeinwohl ist kein Wunschtraum.
Gemeinwohl fragt: Wie können Menschen gut zusammenleben?
Oft sehen wir nicht: Gemeinwohl ist auch wichtig für die Wirtschaft.
Wenn Menschen gut zusammenleben, kann auch die Wirtschaft besser funktionieren.
Gemeinwohl hilft gegen Spaltung.
Spaltung bedeutet:
Menschen entfernen sich voneinander.
Sie hören einander nicht mehr zu.
Es ist falsch zu glauben: Eine starke Person löst alle Probleme allein.
Frage:
Warum finden viele Menschen Populismus trotzdem gut?
Nils Goldschmidt:
Wir leben in einer Zeit mit vielen Krisen.
Das macht viele Menschen unsicher.
Sie suchen Halt.
Und sie suchen Orientierung.
Bei schwierigen Problemen müssen wir miteinander sprechen.
Das ist aber anstrengend.
Denn man muss andere Meinungen verstehen.
Und man muss sich mit neuen Themen beschäftigen.
Viele Menschen wünschen sich einfache Lösungen.
Wenn Menschen keine Orientierung mehr haben, setzen sie ihre Hoffnung manchmal auf eine einzelne Person.
Diese Person soll dann alles besser machen.
Und sie soll ein Gefühl von Leere füllen.
Ein Beispiel ist Donald Trump in den USA.
Sein Spruch MAGA bedeutet: „Make America Great Again“.
Auf Deutsch heißt das ungefähr: „Macht Amerika wieder großartig.“
Nils Goldschmidt sagt: Das ist ein Trick.
Donald Trump sagt Menschen: Ich habe die Lösung.
Aber dabei geht es ihm nicht wirklich um die Menschen.
Frage:
Die Gesellschaft in den USA ist stark gespalten.
Trotzdem ist das Land wirtschaftlich stark.
Funktioniert Trumps Plan also?
Nils Goldschmidt:
Auch für die USA wird es schwieriger, wirtschaftlich stabil zu bleiben.
Dafür braucht ein Land Zusammenhalt.
Wirtschaftlicher Erfolg und Zusammenhalt gehören zusammen.
Das zeigt auch die Soziale Marktwirtschaft.
Soziale Marktwirtschaft bedeutet:
Die Wirtschaft soll frei arbeiten können.
Aber der Staat sorgt auch für soziale Sicherheit.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Soziale Marktwirtschaft ein gutes Modell.
Sie hat geholfen, die Gesellschaft wieder zusammenzubringen.
Frage:
Was ist aus der Sozialen Marktwirtschaft geworden?
Nils Goldschmidt:
In Deutschland haben wir viel soziale Sicherheit.
Und wir haben viel wirtschaftliche Sicherheit.
Den meisten Menschen geht es gut.
Aber wir müssen trotzdem vieles verbessern.
Zum Beispiel:
- die sozialen Sicherungssysteme,
- die Bildungspolitik,
- die Verwaltung.
Soziale Sicherungssysteme sind zum Beispiel:
- Rente,
- Krankenversicherung,
- Pflegeversicherung,
- Arbeitslosenversicherung.
In den nächsten Jahren müssen wir hier viel tun.
Frage:
Was gehört zu einer gerechten Gesellschaft?
Nils Goldschmidt:
Wichtig ist: Menschen sollen ein gutes Leben führen können.
Wir müssen fragen:
Hat jeder Mensch eine echte Chance?
Kann jeder Mensch seine Fähigkeiten nutzen?
Kann jeder Mensch seinen eigenen Weg gehen?
Eine gerechte Gesellschaft ist frei.
Sie ist demokratisch.
Und sie ist wirtschaftlich erfolgreich.
In einer gerechten Gesellschaft können Menschen ihre Interessen einbringen.
Darauf müssen wir vertrauen können.
Gerechtigkeit bedeutet nicht: Alle Menschen haben genau gleich viel.
Gerechtigkeit bedeutet:
Alle Menschen haben gute Möglichkeiten.
Alle Menschen haben faire Chancen.
Alle Menschen können ihren Weg selbst bestimmen.
Das vergessen wir manchmal.
Denn wir haben uns an etwas gewöhnt, das nicht selbstverständlich ist:
In Deutschland mussten viele Menschen lange keinen Krieg erleben.
Und keinen Zwang.
Das soll so bleiben.
Dafür müssen wir uns einsetzen.
Das ist nicht leicht.
Frage:
Verändert der Krieg etwas?
Nils Goldschmidt:
Ja.
Wir denken wieder mehr über wichtige Grundfragen nach.
Gleichzeitig reden wir sehr lange über einzelne Kosten.
Zum Beispiel über die Kosten für das Deutschlandticket.
Aber im Moment geht es um viel mehr.
In Europa ist Krieg.
Die Ukraine wird von Russland angegriffen.
Wir müssen uns verteidigen können.
Und wir müssen den Krieg in der Ukraine ernst nehmen.
Lange Zeit wirkte es so, als sei alles möglich.
Viele einzelne Wünsche und Interessen wurden unterstützt.
Aber wenn eine große Gefahr größer wird, müssen wir anders handeln.

© Bistum Aachen/Andreas Steindl
„Kirche trifft Politik“: In der digitalChurch Aachen tauschte sich Nils Goldschmidt mit Bischof Helmut Dieser aus.
Frage:
Was können wir selbst für das Gemeinwohl tun?
Nils Goldschmidt:
Wir können dafür sorgen, dass Menschen bessere Chancen bekommen.
Ein Beispiel ist Bildung.
In Deutschland werden Kinder sehr früh nach Leistung getrennt.
Das ist nicht immer gut.
Längeres gemeinsames Lernen kann vielen Kindern helfen.
Besonders Kindern aus Familien mit wenig Geld.
Oder Kindern aus Familien mit anderen Problemen.
Wir geben zu wenig Geld für Sozialarbeit an Schulen aus.
Sozialarbeit an Schulen bedeutet: Fachleute helfen Kindern und Jugendlichen bei Problemen.
Zum Beispiel bei Streit, Sorgen in der Familie oder Schwierigkeiten beim Lernen.
Ein modernes Whiteboard hilft wenig, wenn Kinder die Schule ohne Abschluss verlassen.
Auch in der Sozialpolitik denken wir oft zu kurz.
Natürlich brauchen Menschen genug Geld zum Leben.
Aber manchen Menschen mit Bürgergeld hilft nicht nur mehr Geld.
Sie brauchen auch Unterstützung.
Sie brauchen neue Hoffnung.
Und sie brauchen eine echte Chance auf Arbeit.
Bürgergeld ist Geld vom Staat.
Es hilft Menschen, die nicht genug Geld zum Leben haben.
Viele Menschen fühlen sich ausgeschlossen.
Sie fühlen sich nicht als Teil der Gesellschaft.
Es hilft nicht, Menschen nur mit Geld ruhig zu halten.
Gute Politik vor Ort soll Menschen beteiligen.
Sie soll Menschen zu Gesprächen einladen.
Sie soll zeigen: Ihr seid wichtig.
Dann wirken starke Männer oder starke Frauen weniger überzeugend.
Denn Menschen am Rand kommen wieder in die Mitte der Gesellschaft.
Frage:
Wie hängen Gemeinwohl, Zusammenhalt und Wirtschaft zusammen?
Nils Goldschmidt:
Wir haben eine Studie gemacht.
Die Studie war für das Roman-Herzog-Institut.
Dafür haben wir Daten aus 171 Ländern untersucht.
Die Studie zeigt:
- Alles hängt zusammen.
- Eine gerechte Gesellschaft braucht gute Straßen.
- Sie braucht gute Schienen.
- Sie braucht gute Gebäude.
- Sie braucht aber auch gute soziale Angebote.
Wir müssen Orte schaffen, an denen Menschen gut zusammenleben können.
Politik soll Kompromisse nicht schlechtreden.
Kompromiss bedeutet:
Verschiedene Menschen geben etwas nach.
Dann finden sie gemeinsam eine Lösung.
Kompromisse sind wichtig für die Demokratie.
So können verschiedene Interessen zusammenkommen.
Nur Gespräche helfen weiter.
Das ist anstrengend.
Aber wir dürfen Freiheit und Demokratie nicht aufgeben.
Frage:
Wo kann jeder Mensch anfangen, über Gemeinwohl zu sprechen und Populismus zu stoppen?
Nils Goldschmidt:
Wir sollten mehr gute Geschichten erzählen.
Wir sollten sehen: Unser Modell ist sehr erfolgreich.
Besonders Länder in West- und Nordeuropa haben beides:
eine stabile Wirtschaft und starken Zusammenhalt.
Das ist etwas Besonderes.
Aber wir vergessen das oft.
Wir sollten nicht alles schlechtreden.
Und wir sollten nicht nur fragen: Was könnte noch besser sein?
Natürlich gibt es Probleme.
Diese Probleme müssen wir lösen.
Aber meistens leben wir auf einem sehr hohen Niveau.
Wir sollten anders denken.
Wir sollten nicht immer nur das Schlechte sehen.
Wir sollten nicht immer eine Katastrophe erwarten.
Besser ist dieser Satz: „Wenn wir jetzt handeln, schaffen wir das.“
Viele kleine Schritte helfen mehr als radikale Lösungen.
Frage:
Welche Rolle spielt das Ehrenamt für das Gemeinwohl?
Nils Goldschmidt:
Das Ehrenamt ist wichtig.
Ehrenamt bedeutet:
Menschen helfen freiwillig.
Sie bekommen dafür kein Geld.
Oder nur wenig Geld.
Aber wir sollten das Ehrenamt nicht zu groß machen.
Eigentlich ist Ehrenamt etwas ganz Normales:
Menschen helfen einander.
So sollte eine Gesellschaft handeln, die sich am Gemeinwohl orientiert.
In Deutschland wäre es gut, wenn mehr Bürgerinnen und Bürger mitmachen würden.
Frage:
Wie schaust du auf das Jahr 2026?
Nils Goldschmidt:
Wegen der Lage in der Welt bin ich besorgt.
Trotzdem bin ich optimistisch.
Es liegt an uns, ob unser Zusammenleben gelingt.
Ich weiß: Es ist schwer, Botschaften zu sagen, die nicht spalten.
Heute mögen viele Menschen sehr starke Meinungen.
Aber wir sollten wieder lernen, auch die andere Seite ernst zu nehmen.
Und wir sollten Kompromisse wieder wichtig finden.
Zur Person
Prof. Dr. Nils Goldschmidt ist seit Februar 2025 Direktor des Weltethos-Instituts an der Universität Tübingen.
Das Weltethos-Institut beschäftigt sich mit wichtigen Fragen:
- Wie können Menschen gut zusammenleben?
- Welche Werte brauchen wir dafür?
Nils Goldschmidt ist auch Professor an der Universität Siegen.
Dort arbeitet er zu diesen Themen:
- Wirtschaft,
- Gesellschaft,
- Bildung.
Seit Oktober 2024 ist er Mitglied im Deutschen Ethikrat.
Der Deutsche Ethikrat berät Politik und Gesellschaft.
Er beschäftigt sich mit schwierigen ethischen Fragen.
Ethik bedeutet:
- Was ist richtig?
- Was ist falsch?
- Wie sollen Menschen handeln?
Nils Goldschmidt ist außerdem stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Ökonomische Bildung.
Die Abkürzung ist DeGÖB.
Er berät auch die Deutsche Bischofskonferenz.
Dabei geht es um Fragen der Gesellschaft und des sozialen Lebens.
Außerdem arbeitet er in verschiedenen Gruppen und Einrichtungen mit.
Zum Beispiel:
Er ist Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft in Tübingen.
Er ist Vorsitzender des Kuratoriums des Ludwig-Erhard-Forums in Berlin.
Und er ist Vorsitzender des Beirats des Roman Herzog Instituts in München.
Hinweis:
Dieser Text in Einfacher Sprache wurde mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt.
Er dient nur zur Information.
Er ist rechtlich nicht bindend.
Gültig ist nur das Original im Alltagssprach-Deutsch.



