„Wo die Religion fehlt, wächst oft die Angst“

Forschende der Ruhr-Uni sagen: Glaube kann Kinder und Jugendliche stark machen. Er kann ihre Seele schützen.

Angst

Von Stephan Johnen

Immer mehr junge Menschen haben Angst-Störungen.
Das passiert in vielen Ländern auf der Welt.

Angst-Störung bedeutet: Ein Mensch hat sehr oft Angst.
Oder sehr starke Angst.

Die Angst macht das Leben schwer.
Dafür gibt es viele Gründe.

Zum Beispiel:

  • Krisen
  • Kriege
  • Klima-Wandel
  • Unsicherheit

Forschende von der Ruhr-Universität Bochum haben dazu eine Studie gemacht.

Sie wollten wissen:
Warum haben immer mehr Kinder und Jugendliche seelische Probleme?
Was hat das mit Erziehung zu tun?
Was hat das mit den Erwartungen in der Gesellschaft zu tun?
Und welche Rolle spielt Religion?

Das Ergebnis der Studie ist:
Religiöser Glaube kann Kinder und Jugendliche schützen.
Er kann ihnen Halt geben.
Er kann gut für ihre Seele sein.

Die Forschenden sagen:
In Ländern, in denen Religion weniger wichtig geworden ist, nehmen Angst-Störungen stärker zu.

Die Studie

Die Forschenden haben Daten aus 70 Ländern untersucht.
Diese Länder liegen auf allen Kontinenten.
Sie haben auf die Jahre 1989 bis 2022 geschaut.
Das sind mehr als 30 Jahre.
Die Forschenden nutzten Gesundheits-Daten.

Darin steht zum Beispiel:
Wie viele Kinder und Jugendliche Angst-Störungen haben.

Außerdem nutzten sie Daten vom „World Values Survey“.

Das ist Englisch.
Es bedeutet ungefähr: Weltweite Untersuchung von Werten.

Dort wird untersucht:

  • Was ist Menschen wichtig?
  • Wie verändern sich Werte?
  • Wie beeinflussen diese Werte Politik und Gesellschaft?

Der Haupt-Autor der Studie heißt Leonard K. Kulisch.

Er sagt:
Die Erwartungen an Kinder haben sich stark verändert.
Darum wollten wir wissen:
Hängen diese neuen Erwartungen mit mehr Angst zusammen?

Ein neuer Blick in westlichen Ländern

Die Studie zeigt:
In westlichen Ländern ist Gehorsam in der Erziehung heute weniger wichtig als früher.

Westliche Länder sind zum Beispiel:

  • Deutschland,
  • andere Länder in Westeuropa
  • und Nordamerika.

Früher sollten Kinder oft vor allem gehorchen.
Heute sollen Kinder eher selbstständig sein.
Sie sollen ihre eigene Persönlichkeit entwickeln.

Das ist auch gut.
Aber es kann zu viel werden.

Leonard Kulisch sagt:
Sehr starker Individualismus kann Angst fördern.

Individualismus bedeutet: Der einzelne Mensch steht sehr stark im Mittelpunkt.

  • Jeder soll für sich selbst stark sein.
  • Jeder soll sich durchsetzen.
  • Jeder soll etwas Besonderes aus sich machen.

Das kann Druck machen.

Kinder und Jugendliche können dann denken:
Ich muss alles allein schaffen.
Ich muss besser sein als andere.
Ich darf keine Schwäche zeigen.

Religion und Gemeinschaft

Die Studie zeigt auch:
Wenn Religion in der Erziehung und im Alltag weniger wichtig wird, kann das ein Risiko sein.

Denn Religion gibt vielen Menschen:

  • Gemeinschaft
  • feste Rituale
  • Halt
  • Sinn
  • eine Richtung im Leben

Ein Ritual ist eine feste Handlung.

Zum Beispiel:

  • beten,
  • in den Gottesdienst gehen,
  • gemeinsam Feste feiern.

Wenn solche Dinge verschwinden, kann eine Lücke entstehen.
Dann haben Familien vielleicht weniger Kontakte.
Sie sind eher allein.

Es gibt weniger feste Abläufe im Alltag.
Aber genau solche Dinge sind wichtig für Kinder.
Kinder brauchen stabile Beziehungen.
Sie brauchen Menschen, die für sie da sind.

Sie brauchen Orte, an denen sie dazugehören.

Gemeinschaft stärken

Die Studie ist wichtig für Eltern.
Und sie ist wichtig für die Gesellschaft.

Leonard Kulisch sagt:
Selbstständigkeit ist wichtig.
Auch eigene Ideen sind wichtig.
Das hilft in der Arbeitswelt.
Und es hilft bei neuen Erfindungen.

Aber in vielen westlichen Ländern sind diese Werte sehr stark geworden.
Vielleicht zu stark.

Religion ist in vielen Familien weniger wichtig geworden.
Darum müssen andere Wege stärker werden.

Kinder brauchen Orte, an denen sie Gemeinschaft erleben.

Und sie brauchen Sinn im Leben.

Kulisch Foto 05

© Xheneta Kaleshi

Der 29-jährige Leonard K.   Kulisch hat seinen Master in Psychologie in Leipzig gemacht. Er ist Doktorand an der Ruhr-Uni (Klinische Kinder- und Jugendpsychologie).

Ein Gespräch mit Leonard K. Kulisch

Frage:
Was hat Sie nach der Veröffentlichung der Studie am meisten überrascht?

Leonard Kulisch sagt:
Viele Menschen denken bei diesem Thema sofort an die Kirche in Deutschland.
Vor allem an die Katholische Kirche.
Wenn Kirche und seelische Gesundheit zusammen genannt werden, denken viele Menschen an Missbrauch in der Kirche.

Aber darum geht es in unserer Studie nicht.
Es geht nicht nur um Kirche.
Und es geht nicht nur um das Christentum.

Es geht allgemein um Glauben und Religion.
Also auch um andere Religionen.

Deutschland ist nur ein kleiner Teil unserer Untersuchung.
Wir haben 70 Länder untersucht.

Unsere Daten zeigen:
Auf der ganzen Welt verändern sich Erziehungs-Werte.
Und gleichzeitig nehmen seelische Probleme bei Kindern und Jugendlichen zu.

Dort, wo Religion stärker abgenommen hat, steigen Angst-Störungen stärker an.

Frage: Was hat sich in der Erziehung verändert?

Leonard Kulisch sagt:
Erziehung bedeutet oft:
Erwachsene wollen Kinder auf das Leben vorbereiten.

Die Frage ist:
Welche Kinder wollen wir erziehen?

  • Sollen Kinder kreativ sein?
  • Sollen sie selbstständig sein?
  • Sollen sie sich durchsetzen können?
  • Oder sollen Kinder vor allem gehorchen?
  • Sollen sie sich unterordnen?

In reichen Industrie-Ländern wurde in den letzten Jahrzehnten immer wichtiger:

  • Unabhängigkeit
  • Selbstständigkeit
  • Durchsetzungs-Kraft
  • Wettbewerb

Industrie-Länder sind Länder mit starker Wirtschaft.
Deutschland gehört dazu.

Diese Werte können gut sein.
Aber es gibt auch eine Schatten-Seite.
Es geht dann mehr um Gegeneinander.
Und weniger um Miteinander.
Das kann für Kinder und Jugendliche schlecht sein.

Die Daten zeigen:
Das passiert nicht überall auf der Welt gleich stark.
Es betrifft vor allem westliche Industrie-Länder.

Selbstständigkeit und eigene Ideen helfen in der Wirtschaft.
Sie helfen im Wettbewerb.
Sie fördern neue Entwicklungen.

Aber sie helfen nicht immer der Seele.
Menschen brauchen auch:

  • Nähe
  • Gemeinschaft
  • Sicherheit
  • Zugehörigkeit

Wenn Kinder immer das Gefühl haben, sie müssen sich beweisen, kann das zu viel werden.

Frage: Ist die Lösung also mehr Gehorsam?

Leonard Kulisch sagt:
Nein.

Gehorsam bedeutet:
Kinder dürfen weniger selbst entscheiden.

Das andere Extrem wäre:
Kinder müssen einfach funktionieren.

Sie müssen tun, was Erwachsene sagen.

Das ist auch nicht die Lösung.
Wahrscheinlich liegt ein guter Weg in der Mitte.
Kinder brauchen Selbstständigkeit.

Aber sie brauchen auch Verbundenheit.

Sie sollen eigene Entscheidungen treffen können.

Aber sie sollen auch lernen:

  • Ich gehöre zu anderen Menschen.
  • Ich bin nicht allein.

Frage: Gibt es einen Punkt, an dem es für Kinder gefährlich wird?

Leonard Kulisch sagt:
Das ist schwer genau zu sagen.

Gesellschaften verändern sich langsam.
Kultur-Wandel passiert nicht an einem Tag.
Starke Individualität hat auch gute Seiten.
Sie kann einer Gesellschaft helfen.

Zum Beispiel durch Wettbewerb,

  • neue Ideen
  • und Wirtschaftswachstum.

Aber in der Studie ging es nicht nur um Eltern.

Es ging auch um die Werte in einem ganzen Land.

Denn diese Werte beeinflussen viele Bereiche:

  • Wie Eltern erziehen
  • wie Lehrkräfte mit Kindern umgehen
  • was in Kitas passiert
  • was in Lehrplänen steht
  • welche Regeln und Gesetze gelten

Kinder werden schon früh von diesen Erwartungen geprägt.

In vielen Industrie-Ländern passt Erziehung stark zu den Interessen der Wirtschaft.

Es geht oft um:

  • Leistung
  • Wachstum
  • Erfolg
  • Wettbewerb

Aber Menschen brauchen nicht nur Erfolg.
Menschen brauchen auch seelische Sicherheit.
Und gute Beziehungen.

Frage: Warum kann Religion Kinder schützen?

Leonard Kulisch sagt:

Es geht nicht nur darum, wie religiös eine einzelne Familie ist.
Wichtig ist auch das Umfeld.
Also die Gesellschaft, in der ein Kind lebt.

In Gesellschaften ohne viel Religion verschwinden oft auch Strukturen, die früher mit Religion verbunden waren.

Zum Beispiel:

  • Gottesdienste
  • Feste
  • Gruppen
  • Begegnungen
  • gemeinsame Rituale
  • Hilfe in schwierigen Zeiten

Solche Dinge bringen Menschen zusammen.
Sie geben Kindern ein Gefühl von Gemeinschaft.

Wenn das alles weniger wird, entstehen Lücken.
Das Gemeinschafts-Gefühl geht verloren.

Schon heute sind viele Kinder und Jugendliche seelisch belastet.
Viele brauchen Hilfe.

Aber es gibt zu wenige Therapie-Plätze.
Die Wartezeiten sind sehr lang.

Das ist ein großes Problem auf der ganzen Welt.

Früher lebten viele Menschen auf dem Land.
Dort kannten sich Menschen oft besser.

Heute leben sehr viele Menschen in Städten.
In Großstädten ist vieles anonymer.

Das bedeutet: Menschen kennen einander oft nicht.

Es gibt ein Sprichwort:

Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen.

Das bedeutet: Kinder brauchen viele Menschen, die sie begleiten.

Aber diese Dörfer gibt es heute oft nicht mehr.

Viele Menschen treffen sich weniger persönlich.
Sie nutzen mehr Technik und soziale Medien.

Soziale Medien sind zum Beispiel Instagram oder TikTok.

Aber echte Treffen werden dadurch nicht ersetzt.
Kinder brauchen wirkliche Kontakte.
Und feste Abläufe.

Leonard Kulisch sagt:
Wir brauchen mehr Rückhalt.
Mehr Zusammenhalt.
Mehr Miteinander.

Er sagt auch:
Wenn man bei Hilfen für Kinder spart, wird die Lage schlimmer.

Zum Beispiel,
wenn Schulsozialarbeit gestrichen wird.
Oder wenn Therapeutinnen und Therapeuten schlechter bezahlt werden.

Frage: Wird Religion wieder wichtiger werden?

Leonard Kulisch sagt:
Aus unserer Studie folgt nicht einfach:
Die Kirche muss wieder stark werden.
In vielen Ländern haben Kirchen stark an Bedeutung verloren.
Dadurch sind Lücken entstanden.
Manchmal bewusst.
Manchmal unbewusst.

Für manche Menschen kann es helfen, wieder in die Kirche zu gehen.
Viele kirchliche Angebote gibt es noch.
Sie können den Zusammenhalt stärken.

Aber auch andere Dinge können helfen.

Zum Beispiel:

  • Vereine
  • Gruppen
  • Ehrenamt
  • Nachbarschaft
  • gemeinsame Projekte
  • Kitas und Schulen mit guter Gemeinschaft

Ehrenamt bedeutet: Menschen helfen freiwillig.
Sie bekommen dafür meistens kein Geld.

Kitas und Schulen können viel tun.
Sie können dafür sorgen, dass Kinder sich zugehörig fühlen.

Ein gutes soziales Netz schützt Kinder und Jugendliche.
Es hilft ihnen, mit Krisen besser umzugehen.

Viele Kinder erleben schwere Zeiten.
In Kriegsgebieten ist das besonders schlimm.
Ob daraus eine seelische Störung wird, hängt oft auch von der Unterstützung ab.

Wichtig sind:

  • die Familie
  • Freundinnen und Freunde
  • Schule
  • Nachbarschaft
  • Gemeinschaft
  • das Umfeld

Frage: Was raten Sie Eltern?

Leonard Kulisch sagt:
Eltern haben nicht auf alles Einfluss.
Oft wird ihnen zu viel Verantwortung gegeben.

Natürlich sind Eltern wichtig.
Im besten Fall entlasten sie ihr Kind.
Sie geben Liebe und Sicherheit.

Aber Kinder verbringen viel Zeit außerhalb der Familie.
Zum Beispiel in der Schule.

Dort erleben sie:

  • Lehrpläne
  • Regeln
  • Leistungs-Druck
  • andere Kinder
  • Lehrkräfte
  • Erwartungen

Eltern können das nicht alles steuern.
Darum darf man nicht alles auf die Eltern schieben.

Es gibt viele Belastungen, die man von außen nicht sofort sieht.

Frage: Welche Frage würden Sie der Politik stellen?

Leonard Kulisch sagt:
Ich würde fragen:
Warum richtet sich die Erziehung von Kindern so stark nach der Wirtschaft?

Wenn Kinder immer selbstständig sein müssen, kann das Druck machen.

Sie können das Gefühl bekommen:

  • Ich muss mich ständig beweisen.
  • Ich muss alles allein schaffen.
  • Ich bin Einzelkämpfer.

Die Studie zeigt:
Erziehung sollte stärker auf die seelischen Bedürfnisse von Kindern achten.

Kinder brauchen nicht nur Leistung.

Sie brauchen auch:

  • Gemeinschaft
  • Sicherheit
  • Vertrauen
  • Sinn
  • Zeit
  • Menschen, die zuhören

Wir brauchen mehr Orte für Gemeinschaft.
Orte ohne Wettbewerb.
Orte ohne Leistungs-Druck.

Hinweis:
Dieser Text in Einfacher Sprache wurde mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt.
Er dient nur zur Information.
Er ist rechtlich nicht bindend.
Gültig ist nur das Original im Alltagssprach-Deutsch.

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