»Religionsfreiheit ist ein sehr wichtiges Menschenrecht«
Thomas Rachel arbeitet für die Bundesregierung. Er setzt sich für Religionsfreiheit ein und sagt: Menschen sollen respektvoll miteinander sprechen.

Von Stephan Johnen
Zuerst war nicht klar: Gibt es dieses Amt weiter?
Es geht um dieses Amt:
Beauftragter der Bundesregierung für Religionsfreiheit und Weltanschauungsfreiheit.
Religionsfreiheit bedeutet:
Jeder Mensch darf seine Religion frei leben.
Oder seine Religion wechseln.
Oder ohne Religion leben.
Weltanschauung bedeutet:
Ein Mensch hat bestimmte Überzeugungen über das Leben und die Welt.
Diese Überzeugungen müssen nicht religiös sein.
Dann hat die neue Bundesregierung entschieden: Dieses Amt bleibt.
Thomas Rachel übernimmt das Amt.
Thomas Rachel ist Politiker der CDU.
Er sitzt im Bundestag.
Frage:
Thomas, herzlichen Glückwunsch zu deinem neuen Amt.
Wie hast du die unsichere Zeit erlebt?
Und welches Zeichen willst du mit deinem Amt setzen?
Thomas Rachel:
Im Koalitionsvertrag steht: Dieses Amt bleibt.
Der Bundeskanzler und die Bundesregierung haben entschieden:
Der Beauftragte arbeitet jetzt im Auswärtigen Amt.
Das Auswärtige Amt kümmert sich um die Beziehungen zu anderen Ländern.
Damit setzt die Bundesregierung ein klares Zeichen:
Religionsfreiheit und Weltanschauungsfreiheit sollen weltweit stärker geschützt werden.
Wir können dieses Thema jetzt besser in Gesprächen mit anderen Ländern ansprechen.
Frage:
In Deutschland verlieren die großen christlichen Kirchen viele Mitglieder.
Für manche Menschen wird Religion weniger wichtig.
Ist dein Amt dann nicht altmodisch?
Thomas Rachel:
Nein.
Im Gegenteil.
Diese Aufgabe ist heute sehr wichtig.
Unsere Arbeit richtet sich an die ganze Welt.
In Deutschland spielt Religion für manche Menschen weniger eine Rolle.
In vielen anderen Ländern ist das anders.
Für die meisten Menschen auf der Welt ist Religion sehr wichtig.
In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte steht:
Jeder Mensch hat das Recht auf Gedankenfreiheit.
Jeder Mensch hat das Recht auf Gewissensfreiheit.
Jeder Mensch hat das Recht auf Religionsfreiheit.
Religionsfreiheit ist also ein sehr wichtiges Menschenrecht.
Leider schränken viele Länder dieses Recht ein.
Das gilt für Religionsfreiheit.
Und für Weltanschauungsfreiheit.
Frage:
Wie willst du dein Amt persönlich ausfüllen?
Thomas Rachel:
Religion spielt in meinem Leben an vielen Stellen eine Rolle.
Deshalb kann ich dieses Thema glaubwürdig in der Regierung vertreten.
Ich möchte ein verlässlicher Gesprächspartner sein.
Für religiöse Gruppen in der Welt.
Und für Vertreterinnen und Vertreter von Regierungen.
Frage:
Welche Ziele hast du beim Schutz von Religionsfreiheit und Weltanschauungsfreiheit?
Thomas Rachel:
Ich will die Stimme der Menschen sein, die wegen ihres Glaubens benachteiligt werden.
Oder bedroht werden.
Ein Beispiel ist der Anschlag auf Christinnen und Christen in Syrien.
Der Anschlag war in der griechisch-orthodoxen St.-Elias-Kirche.
Dieser Anschlag zeigt wieder: Unser Einsatz für Religionsfreiheit in der Welt ist sehr wichtig.
Der brutale Anschlag schockiert uns.
Dieses Verbrechen macht uns fassungslos.
Es ist ein Angriff auf die Würde des Menschen.
Und es ist ein Angriff auf die Freiheit des Glaubens.
Die Heimatländer müssen Christinnen und Christen schützen.
Sie müssen auch andere religiöse Minderheiten schützen.
Religiöse Minderheit bedeutet: Eine religiöse Gruppe ist in einem Land kleiner als andere Gruppen.
Frage:
Siehst du diese Entschlossenheit?
Oder wird der Schutz eher schwächer?
Thomas Rachel:
Drei von vier Menschen leben in einem Land, in dem Religionsfreiheit und Weltanschauungsfreiheit eingeschränkt werden.
Das macht mir große Sorgen.
Christinnen und Christen sind die größte Religionsgemeinschaft der Welt.
Sie erleben besonders oft Verletzungen der Religionsfreiheit.
Aber auch Menschen anderer Religionen werden benachteiligt und verfolgt.
Auch Menschen ohne Religion werden benachteiligt und verfolgt.
Das passiert nur wegen ihres Glaubens.
Oder weil sie keinen Glauben haben.
Frage:
Welche Länder sind besonders wichtig?
Und welche Länder beachten wir oft zu wenig?
Thomas Rachel:
In vielen Teilen der Welt sehen wir eine beunruhigende Entwicklung.
Ein Beispiel ist Nigeria.
Dort greift die Terrorgruppe Boko Haram Christinnen und Christen an.
Boko Haram geht dabei sehr brutal vor.
Auch Pakistan macht uns Sorgen.
Dort werden Menschen oft der Gotteslästerung beschuldigt.
Gotteslästerung bedeutet: Jemand soll schlecht über Gott oder eine Religion gesprochen haben.
In Pakistan können dafür sehr harte Strafen drohen.
Auch in Indien ist Aufmerksamkeit wichtig.
Dort müssen Muslime, Christinnen und Christen und andere Minderheiten ihre Religion frei leben können.
Ein weiteres Beispiel ist Nicaragua.
Dort unterdrückt die Regierung katholische Christinnen und Christen.
Die Regierung hat sogar Nonnen und einen Bischof verhaftet.
Und sie hat sie aus dem Land geschickt.

© Tobias Koch
Mitte Juni begleitete Thomas Rachel den neuen deutschen Außenminister Johann Wadephul (CDU) in den Vatikan. Dort fanden Gespräche mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin (im Bild) und Außenminister Erzbischof Paul Gallagher statt.
Frage:
Reden wir in Deutschland zu oft nur über gefährdete Christinnen und Christen?
Thomas Rachel:
Religionsfreiheit bedeutet für uns:
Jeder Mensch darf seine Religion bekennen.
Jeder Mensch darf seine Religion leben.
Jeder Mensch darf seine Religion wechseln.
Und jeder Mensch darf ohne Religion leben.
Dieses Recht gilt für alle Menschen.
Es gilt für Musliminnen und Muslime.
Es gilt für Hindus.
Es gilt für Sunniten und Schiiten.
Es gilt für Jüdinnen und Juden.
Es gilt für Christinnen und Christen.
Und es gilt für alle anderen Menschen.
Frage:
Hilft der Wechsel ins Auswärtige Amt bei deiner Arbeit?
Thomas Rachel:
Es geht darum:
Das Thema Religionsfreiheit und Weltanschauungsfreiheit soll in der Bundesregierung mehr Gewicht bekommen.
Das kann im Auswärtigen Amt gut gelingen.
Denn dort sprechen wir viel mit Regierungen anderer Länder.
Und mit Menschen aus der Zivilgesellschaft.
Zivilgesellschaft bedeutet:
Menschen und Gruppen außerhalb von Staat und Regierung.
Zum Beispiel Vereine, Kirchen, Initiativen und Organisationen.
Religion soll in der deutschen Außenpolitik stärker mitgedacht werden.
Denn Religion prägt einzelne Menschen.
Religion prägt auch Länder und Kulturen.
Wenn wir gute Außenpolitik machen wollen, müssen wir diese Seite des Lebens beachten.
Frage:
Wie viel Religion darf in Politik stecken?
Thomas Rachel:
Ich bin für Religionsfreiheit und Weltanschauungsfreiheit zuständig.
Dabei geht es um die Freiheitsrechte jedes einzelnen Menschen.
Es geht darum, diese Rechte zu schützen.
Es geht nicht darum, mit Religion Politik zu machen.
Frage:
Kann es Konflikte geben zwischen Politik, Wirtschaft und Menschenrechten?
Thomas Rachel:
Deutschland macht Politik mit Werten und Interessen.
Das gilt in der Entwicklungszusammenarbeit.
Und in der Außenpolitik.
Ich glaube:
- Deutschland kann eine gute Balance finden.
- Deutschland wird als Gesprächspartner geschätzt.
- Denn Deutschland denkt auch an die Bedürfnisse des Gegenübers.
Frage:
Wie hängen Religionsfreiheit und andere Grundrechte zusammen?
Zum Beispiel Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Gewissensfreiheit?
Thomas Rachel:
Diese Rechte hängen eng zusammen.
Wenn Religionsfreiheit unter Druck gerät, geraten oft auch andere Freiheitsrechte unter Druck.
Zum Beispiel Gewissensfreiheit.
Oder Meinungsfreiheit.
Religionsfreiheit zeigt oft: Wie gut werden die Menschenrechte in einem Land geschützt?
Frage:
Wie kann Deutschland auf Länder einwirken, die Religionsfreiheit stark einschränken?
Thomas Rachel:
Durch Gespräche.
Und indem wir nach gemeinsamen Interessen suchen.
Das ist die Aufgabe von Diplomatie.
Diplomatie bedeutet:
Länder sprechen miteinander.
Sie suchen Lösungen für Probleme.
Deutschland stimmt sich mit anderen Ländern zu vielen Themen ab.
Zum Beispiel:
- Sicherheit.
- Wirtschaft.
- Entwicklungszusammenarbeit.
- Menschenrechte.
- Religionsfreiheit.
Diese Themen gehören zusammen.
So können Fortschritte entstehen.
Wichtig ist auch:
Wir müssen Probleme bei der Religionsfreiheit immer wieder ansprechen.
Ich will betroffenen Menschen eine Stimme geben.
Ich will Öffentlichkeit schaffen.
Und ich will zeigen: Ihr seid nicht allein.
Das kann die betroffenen Menschen auch etwas schützen.
Frage:
Welche Rolle spielen internationale Organisationen und NGOs für dich?
Thomas Rachel:
Menschenrechtsorganisationen spielen eine große Rolle.
NGOs sind Nicht-Regierungs-Organisationen.
Sie arbeiten unabhängig vom Staat.
Ich habe schon früher mit vielen Organisationen zusammengearbeitet.
Auch mit religiösen Organisationen.
Diese Organisationen haben große Netzwerke.
Sie erreichen viele Menschen in der Gesellschaft.
Frage:
Was willst du gegen radikale Gruppen tun, die Religion missbrauchen?
Thomas Rachel:
Ich möchte Brücken bauen.
Zwischen verschiedenen Weltanschauungen.
Zwischen verschiedenen Konfessionen.
Und zwischen verschiedenen Kulturen.
Konfession bedeutet: Eine bestimmte Richtung innerhalb einer Religion.
Zum Beispiel katholisch oder evangelisch im Christentum.
Wir brauchen Gespräche zwischen Religionen.
Das nennt man interreligiösen Dialog.
Wir wollen vor allem religiöse Kräfte stärken, die Frieden fördern.
Radikalen Gruppen müssen wir entgegentreten.
Denn sie missbrauchen Religion.
Sie spalten Menschen.
Und sie schüren Hass.
Frage:
Welchen Einfluss hat dein eigener Glaube auf deine Arbeit?
Thomas Rachel:
Wenn ein Beauftragter selbst glaubt, kann das Gespräche leichter machen.
Dann kann man mit religiösen Menschen auf Augenhöhe sprechen.
Mein christlicher Glaube prägt meinen Blick auf Menschen.
Dabei ist egal, welchen Glauben ein Mensch hat.
Oder welche Weltanschauung ein Mensch hat.
Ich bin überzeugt:
Alle Menschen haben die gleiche Würde.
Frage:
Wie gelingt es dir, Brücken zwischen Religionen, Konfessionen und Weltanschauungen zu bauen?
Thomas Rachel:
Durch Gespräche.
Wir müssen gemeinsam darüber nachdenken: Was hält uns in dieser Welt zusammen?
Und wir müssen respektvoll miteinander umgehen.
Frage:
Religion kann Frieden schaffen.
Aber im Namen von Religion entstehen auch Krisen.
Wie kann man dieses Problem lösen?
Thomas Rachel:
Wenn Religion Teil eines Problems ist, soll Religion auch Teil der Lösung werden.
Viele internationale Konflikte haben auch eine religiöse Seite.
Deshalb ist es klug, diese religiöse Seite mitzudenken.
In vielen Ländern ist Religion für die Menschen sehr wichtig.
Wir können mit religiösen Autoritäten sprechen.
Also mit wichtigen religiösen Führungspersonen.
Gemeinsam können wir Wege finden, die respektvoll sind.
Und die Menschen einander näherbringen.
Das ist eine sehr wichtige Aufgabe.
Und eine große Herausforderung.
Zehn schnelle Fragen
Frage:
Was macht Thomas Rachel, um sich zu entspannen?
Thomas Rachel:
Ich schwimme.
Frage:
Gibt es Tage ohne Smartphone?
Und ohne ständige Erreichbarkeit?
Thomas Rachel:
Leider nicht.
Das gehört zu meiner Arbeit dazu.
Frage:
Warum machst du schon so lange Politik?
Was gefällt dir daran?
Thomas Rachel:
Ich habe mich schon als Jugendlicher gegen Ungerechtigkeit eingesetzt.
Als Christ sollen wir die Welt etwas besser machen.
Ich denke dabei an Erich Kästner.
Er hat gesagt:
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.
Das bedeutet:
Man muss selbst handeln, wenn etwas besser werden soll.
Frage:
Was ist dein Lieblingsort?
Thomas Rachel:
Die Kirche von Burg Nideggen.
Dort habe ich geheiratet.
Und in Berlin: der Deutsche Bundestag.
Frage:
Wo machst du gern Urlaub?
Thomas Rachel:
In Griechenland.
Frage:
Welches Buch liest du im Moment?
Thomas Rachel:
Ein Buch von Anne Applebaum.
Es heißt: „Die Achse der Autokraten“.
Autokraten sind Herrscher, die sehr viel Macht haben.
Sie lassen oft wenig Freiheit zu.
Frage:
Wenn du ein Buch über dein Leben schreiben würdest:
Wie würde es heißen?
Thomas Rachel:
Mir fällt kein Titel ein.
Aber ein wichtiges Wort wäre: Vertrauen.
Frage:
Mit wem würdest du gern einmal einen Tag verbringen?
Thomas Rachel:
Mit Dietrich Bonhoeffer.
Er war in sehr großer Not.
Trotzdem hielt er an seinem Glauben fest.
Frage:
Welchen Tag möchtest du gern noch einmal erleben?
Thomas Rachel:
Den nächsten.
Frage:
Welchen Tag möchtest du am liebsten vergessen?
Thomas Rachel:
Keinen.
Ich bin dankbar für jeden Tag, den ich erleben darf.
Ich bin gespannt, was die neuen Tage bringen.
Fünf schnelle Fakten
- Thomas Rachel wurde 1961 in Düren geboren.
- Er ist verheiratet.
- Er hat eine Tochter.
- Er ist Politiker der CDU.
- Seit 1994 ist er ohne Unterbrechung Mitglied im Deutschen Bundestag.
Seit 2004 ist Thomas Rachel Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU.
Von 2005 bis 2021 war Thomas Rachel Parlamentarischer Staatssekretär.
Er arbeitete im Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Ende Mai 2025 ernannte die Bundesregierung ihn zum Beauftragten für Religionsfreiheit und Weltanschauungsfreiheit.
Von 2000 bis 2005 war Thomas Rachel Mitglied der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland.
Eine Landessynode ist ein wichtiges Entscheidungsgremium der evangelischen Kirche.
Seit 2015 ist Thomas Rachel Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Die Abkürzung ist EKD.
Kleine Randnotiz:
Im Jahr 2023 hat Thomas Rachel mit anderen Abgeordneten im Bundestag den Parlamentskreis Karneval, Fastnacht, Fasching gegründet.
Dort arbeiten Abgeordnete aus verschiedenen Parteien zusammen.
Denn Lachen verbindet.
Hinweis:
Dieser Text in Einfacher Sprache wurde mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt.
Er dient nur zur Information.
Er ist rechtlich nicht bindend.
Gültig ist nur das Original im Alltagssprach-Deutsch.



