NRW: Demokratie mit christlichen Wurzeln
NRW wurde 1946 gegründet. Christliche Werte prägen das Land bis heute: Würde, Verantwortung und Zusammenhalt.

Die Leitung der britischen Militärregierung.
Von Kathrin Albrecht
Nordrhein-Westfalen wird 80 Jahre alt.
Nordrhein-Westfalen wird kurz NRW genannt.
NRW wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet.
Die Geschichte zeigt:
NRW hat auch christliche Wurzeln.
Das bedeutet:
Christliche Ideen waren für den Anfang von NRW wichtig.
Zum Beispiel:
- Jeder Mensch hat eine Würde.
- Jeder Mensch ist wertvoll.
- Menschen sollen Verantwortung füreinander übernehmen.
- Menschen sollen zusammenhalten.
Der Anfang von NRW
Der erste Ministerpräsident von NRW hieß Rudolf Amelunxen.
Ein Ministerpräsident ist der Chef der Landes-Regierung.
Rudolf Amelunxen sagte bei der ersten Sitzung vom Landtag:
Im Westen von Deutschland entsteht etwas Neues.
Menschen sollen wieder mitentscheiden können.
Und Menschen sollen wieder Verantwortung übernehmen.
Der Landtag ist das Parlament von NRW.
Dort entscheiden gewählte Politikerinnen und Politiker über wichtige Regeln.
Die erste Sitzung war in der Oper in Düsseldorf.
Rudolf Amelunxen war damals schon fast 3 Monate Ministerpräsident.
Die britische Militär-Regierung gründete NRW
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland von den Sieger-Mächten verwaltet.
Eine Sieger-Macht war Großbritannien.
Die britische Militär-Regierung entschied:
Es soll ein neues Bundesland geben.
Dieses Bundesland heißt Nordrhein-Westfalen.
Der Plan hatte den Namen „Operation Marriage“.
Das ist Englisch.
Es bedeutet ungefähr: Zusammen-Führung.
Früher gehörten viele Gebiete zu Preußen.
Preußen war ein großer deutscher Staat.
Die Briten wollten Preußen auflösen.
Denn Preußen galt als sehr militärisch.
Das bedeutet:
Preußen wurde stark mit Armee und Krieg verbunden.
Aus diesen Gebieten entstand NRW:
- der nördliche Teil der Rheinprovinz
- mit Aachen, Köln und Düsseldorf
- die Provinz Westfalen
Im Jahr 1947 kam Lippe dazu.
Ralph Rotte sagt:
NRW ist ein Ergebnis der Besatzungs-Mächte.
Ralph Rotte ist Professor für Internationale Politik an der RWTH Aachen.
Er erklärt:
Die Briten wollten auch das Ruhrgebiet in einem Bundesland zusammenhalten.
Das Ruhrgebiet war sehr wichtig für Kohle, Stahl und Industrie.
Westfalen und das nördliche Rheinland gehörten lange zu Preußen.
Aber viele Menschen dort fühlten sich nicht wirklich als Preußen.
Der christliche Glaube verband viele Menschen
Rheinländer und Westfalen waren unterschiedlich.
Aber viele Menschen hatten etwas gemeinsam: den christlichen Glauben.
Das war auch für die Politik wichtig.
Geistliche gaben wichtige Ideen für die neue Partei CDU.
Ein Geistlicher war Laurentius Siemer.
Er war Dominikaner.
Dominikaner sind Mitglieder eines katholischen Ordens.
Auch diese Personen prägten die Politik:
- Sibille Hartmann
- Konrad Adenauer
- Karl Arnold
Karl Arnold wurde 1947 der erste frei gewählte Ministerpräsident von NRW.
Diese Menschen prägten nicht nur NRW.
Sie prägten auch die junge Bundesrepublik Deutschland.
Viele von ihnen waren aktiv:
- im Volksverein für das katholische Deutschland
- in christlichen Gewerkschaften
Eine Gewerkschaft setzt sich für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein.
Der Glaube beeinflusste ihr politisches Denken.
Und der Glaube beeinflusste ihr politisches Handeln.
Christliche Ideen im Grundgesetz
Ein wichtiges frühes Programm waren die „Kölner Leitsätze“.
Das waren Ideen für die neue CDU.
Einige dieser Ideen stehen später auch im Grundgesetz.
Das Grundgesetz ist die wichtigste Sammlung von Regeln in Deutschland.
Dazu gehören:
- die Würde jedes Menschen
- Meinungs-Freiheit
- der Rechtsstaat
Rechtsstaat bedeutet:
Auch der Staat muss sich an Gesetze halten.
Gerichte müssen unabhängig sein.
Und alle Menschen haben Rechte.
Ralph Rotte sagt:
Beide Kirchen hatten indirekt Einfluss.
Damit meint er:
Die katholische Kirche und die evangelische Kirche waren nicht direkt die Regierung.
Aber ihre Ideen waren wichtig.
Warum Kirchen damals wichtig waren
Die britische Militär-Regierung schaute nach dem Krieg vor allem auf einzelne Personen.
Sie wollte frühere Nationalsozialisten aus wichtigen Ämtern entfernen.
Nationalsozialisten waren Anhänger von Hitler und der NS-Diktatur.
Die Kirchen galten damals oft als weniger belastet durch das NS-Regime.
Darum durften kirchliche Einrichtungen und kirchennahe Menschen oft öffentliche Aufgaben übernehmen.
In NRW gibt es bis heute konfessionelle Schulen.
Das sind Schulen mit einer bestimmten religiösen Prägung.
Zum Beispiel katholische oder evangelische Schulen.
In Bayern wurden solche Schulen 1968 abgeschafft.
Viele Menschen fanden sie damals nicht mehr zeitgemäß.
Christlicher Einfluss bis heute
Der christliche Einfluss aus den ersten Jahren prägt NRW bis heute.
Ralph Rotte sagt:
In NRW gibt es eine grundsätzliche Toleranz gegenüber anderen Menschen.
Toleranz bedeutet:
Man lässt andere Menschen gelten.
Auch wenn sie anders denken.
Oder anders leben.
Karl Arnold hatte die Idee von einem christlichen Sozialismus.
Das bedeutet:
Christliche Werte und soziale Gerechtigkeit gehören zusammen.
Diese Idee war eine Brücke zwischen CDU und SPD.
CDU und SPD sind politische Parteien.
Viele Politikerinnen und Politiker hatten damals ähnliche Grundlagen.
Sie kamen oft aus ähnlichen Gruppen.
Und sie sprachen ähnliche Wählerinnen und Wähler an.
Darum waren die Unterschiede zwischen CDU und SPD in NRW oft nicht sehr groß.
Ralph Rotte sagt:
NRW war immer etwas sozialer als andere Bundesländer.
Das bedeutet:
In NRW war der Einsatz für soziale Sicherheit besonders wichtig.
Das Ruhrgebiet und Migration
Das Ruhrgebiet spielte eine große Rolle.
Dort gab es viel Industrie.
Zum Beispiel Kohle und Stahl.
Das Ruhrgebiet war wichtig für Deutschland und Europa.
Viele Menschen kamen zum Arbeiten nach NRW.
Auch viele Menschen mit Migrations-Geschichte.
Migrations-Geschichte bedeutet:
Ein Mensch selbst oder seine Familie ist aus einem anderen Land gekommen.
In NRW versuchte man oft:
Wir müssen miteinander auskommen.
Wir müssen zusammenleben.
Extreme Parteien haben es oft schwerer
Ralph Rotte sagt:
Dieser Zusammenhalt ist ein Grund dafür, dass extreme Parteien wie die AfD es in NRW oft schwerer haben.
Extreme Parteien lehnen oft wichtige Regeln der Demokratie ab.
Oder sie werten andere Menschen ab.
Aber es gibt auch Ausnahmen.
Ralph Rotte sagt auch:
Die Fähigkeit, Konflikte ruhig zu lösen, ist schwächer geworden.
Das bedeutet:
Menschen streiten heute schneller und härter.
Sie finden schwieriger gemeinsame Lösungen.
Der Zusammenhalt wird schwächer
Der Zusammenhalt in der Gesellschaft wird schwächer.
Auch die Wirtschaft hat sich stark verändert.
Früher gab es in NRW viele Arbeitsplätze in Kohle und Stahl.
Heute gibt es diese Arbeitsplätze viel seltener.
Dieser Wandel heißt Strukturwandel.
Strukturwandel bedeutet:
Eine Region verändert ihre Arbeit und Wirtschaft stark.
In manchen Regionen wurde dieser Wandel nicht gut begleitet.
Darum gibt es Streit um Geld und Chancen.
Manche Menschen fühlen sich abgehängt.
Das bedeutet:
Sie haben das Gefühl, dass andere besser vorankommen als sie.
Und dass niemand sich um sie kümmert.
Die Kirchen verlieren Mitglieder
Auch in NRW haben die Kirchen weniger Einfluss als früher.
Viele Menschen gehen seltener in die Kirche.
Viele Menschen treten aus der Kirche aus.
In NRW leben ungefähr 18 Millionen Menschen.
Knapp ein Drittel gehört zur katholischen Kirche.
Etwa 20 Prozent gehören zur evangelischen Kirche.
Was NRW für die Zukunft braucht
Ralph Rotte sagt:
Zwei Dinge sind für die Zukunft besonders wichtig.
Erstens: NRW muss soziale Konflikte begrenzen.
Das bedeutet: Politik muss verhindern, dass die Unterschiede zwischen Menschen zu groß werden.
Zweitens: NRW muss Extremismus eindämmen.
Das bedeutet: NRW muss Demokratie schützen.
Und NRW muss gegen Hass und Ausgrenzung handeln.
Ralph Rotte sagt auch:
NRW muss den Strukturwandel besser gestalten.
Und NRW muss sich stärker um schwierige Regionen kümmern.
Denn nur so bleibt NRW ein Land des Zusammenhalts.
Zur Person: Ralph Rotte
Ralph Rotte wurde am 30. April 1968 in Warendorf geboren.
Er studierte Politikwissenschaft.
Politikwissenschaft beschäftigt sich mit Politik.
Seine Themen sind:
- internationale Politik
- neuere Geschichte
Seit 2001 ist Ralph Rotte Professor an der RWTH Aachen.



