Immer für den Frieden sein – wenn es sein muss, auch mit Waffen

Militär-Seelsorgerin Maike Seelhorst findet: Freiwilliger Wehrdienst ist sinnvoll.

ANS Feldgottesdienst Bischof 2021 0010

© Andreas Steindl

Maike Seelhorst arbeitet als Seelsorgerin bei der Bundeswehr.
Sie ist für Soldatinnen und Soldaten da.
Sie arbeitet in 6 Kasernen.

Maike Seelhorst ist 36 Jahre alt.
Sie ist Pastoralreferentin.
Das bedeutet:
Sie arbeitet für die katholische Kirche.

Seit 2020 ist sie katholische Militär-Seelsorgerin in Aachen.
Ihr Büro ist in der Lützow-Kaserne.

In ihrem Büro hängen keine Bilder vom Bundespräsidenten
oder vom Verteidigungsminister.
Dort hängen Bilder von:

  • Papst Leo XIV.,
  • Militärbischof Franz-Josef Overbeck.

Gerd Felder hat mit Maike Seelhorst gesprochen.

Es ging um diese Fragen:

  • Was macht eine Militär-Seelsorgerin?
  • Wie erlebt sie Soldatinnen und Soldaten?
  • Was denkt sie über freiwilligen Wehrdienst?
  • Was denkt sie über Krieg und Frieden?

Was macht eine Militär-Seelsorgerin?

Maike Seelhorst sagt:

Militär-Seelsorge hilft Soldatinnen und Soldaten.
Sie sollen ihre Religion leben können.

Ich führe viele Gespräche mit einzelnen Menschen.
Aber das ist nur ein Teil meiner Arbeit.

Ich mache auch Gottesdienste.
Und ich gebe Unterricht.

Dieser Unterricht heißt: lebenskundlicher Unterricht.
Alle Soldatinnen und Soldaten müssen ihn besuchen.

Das ist kein Religions-Unterricht.
Es geht um Ethik.

Ethik bedeutet:
Wir denken darüber nach, was richtig ist.
Und was falsch ist.

Im Unterricht geht es zum Beispiel um diese Themen:

  • Dienst und Privatleben,
  • soziale Medien,
  • Krieg im Nahen Osten,
  • Krieg in der Ukraine.

Wie wird man Militär-Seelsorgerin?

Maike Seelhorst sagt:

In meiner Familie gab es keine Tradition bei der Bundeswehr.
Ich hatte früher auch keinen Kontakt zur Bundeswehr.

Im Jahr 2012 war ich beim Katholikentag in Mannheim.
Dort gab es viele Stände.
Das hieß: Meile der Möglichkeiten.

Dort habe ich die Militär-Seelsorge kennengelernt.
Ich war sofort begeistert.

Aber zuerst musste ich mein Studium beenden.
Ich habe Katholische Theologie studiert.

Von 2017 bis 2020 habe ich in einer Gemeinde in Stuttgart gearbeitet.
Dort war ich Pastoralassistentin.

Danach konnte ich Militär-Seelsorgerin werden.
Dafür mussten zwei Stellen zustimmen:

  • mein Heimat-Bistum Rottenburg-Stuttgart,
  • das katholische Militärbischofsamt.

Seit 2020 arbeite ich als Militär-Seelsorgerin.

Haben Sie sich Aachen ausgesucht?

Maike Seelhorst sagt:

Ja.
Ich wollte nach Aachen.

In Aachen ist die Technische Schule des Heeres.
Dazu gehören 4 Kasernen in Aachen und Eschweiler/Stolberg.

Ich wollte unbedingt weiter Unterricht geben.
Denn Unterricht hat mir schon vorher viel Freude gemacht.

Ich arbeite aber nicht nur in Aachen.
Ich arbeite auch in Geilenkirchen:

  • in der Selfkant-Kaserne,
  • auf der NATO-Airbase.

Insgesamt sind das 6 Kasernen.
Sie sind sehr unterschiedlich.
Das finde ich spannend.

In Aachen und Geilenkirchen gibt es jeweils etwa 600 Soldaten.
Nur wenige davon sind Frauen.
Bei der Luftwaffe gibt es etwas mehr Frauen als beim Heer.

Waren Sie auch auf einem Übungsplatz dabei?

Maike Seelhorst sagt:

Ja.
Vor Kurzem war ich bei großer Hitze mit auf dem Übungsplatz.

Ich habe alles mitgemacht, was ohne Waffe geht.
Und was gut für meine Fitness ist.

Für meinen Dienst ist das wichtig.
Ich möchte wissen:

  • Welche Belastungen haben Soldatinnen und Soldaten?
  • Wie fühlt sich Dienst bei großer Hitze an?
  • Was beschäftigt die Soldatinnen und Soldaten?

Warum gehen junge Menschen zur Bundeswehr?

Maike Seelhorst sagt:

Die Soldatinnen und Soldaten kommen aus ganz Deutschland.

Viele sagen:
Wir haben in unserer Gesellschaft viel Gutes erlebt.
Wir wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben.
Wir wollen helfen.

Darum sind viele sehr überzeugt von ihrer Arbeit.

An der Technischen Schule des Heeres arbeiten viele Fachleute.
Sie können anderen Soldatinnen und Soldaten viel beibringen.

Natürlich ist es wie überall:
Manche Menschen sind sehr motiviert.
Andere sind weniger motiviert.

Ist es schwer, für freiwilligen Wehrdienst zu werben?

Maike Seelhorst hat einmal gesagt:

Beim Dienst mit der Waffe geht es am Ende immer um Leben und Tod.

Maike Seelhorst sagt:

Die Bundeswehr ist eine Verteidigungs-Armee.
Das bedeutet:
Sie soll Deutschland verteidigen.

Wenn Deutschland angegriffen wird,
brauchen wir Menschen, die bereit sind zu verteidigen:

  • unsere Werte,
  • unser Land,
  • unsere Demokratie,
  • unsere Freiheit.

Auch die Bundeswehr muss für sich werben.
Wie andere Bereiche auch.

Menschen, die freiwillig zur Bundeswehr gehen, bekommen eine sehr gute Ausbildung.

Dazu gehören auch:

  • politische Bildung,
  • Rechts-Unterricht.

Rechts-Unterricht bedeutet:
Soldatinnen und Soldaten lernen die Gesetze.
Sie lernen auch, was sie tun dürfen.
Und was sie nicht tun dürfen.

Es gibt Soldaten, die eigentlich Pazifisten sind.
Pazifisten lehnen Krieg und Gewalt ab.

Trotzdem leisten manche von ihnen Dienst.
Sie sagen:
Meine Kinder sollen in einem besseren Land aufwachsen.

Maike Seelhorst sagt auch:

Unsere Gesellschaft muss mehr für Sicherheit und Verteidigung tun.
Das hören viele Menschen nicht gern.

Aber seit dem Angriff von Russland auf die Ukraine denken viele anders darüber.

Was sagt die Kirche zu Krieg und Frieden?

Maike Seelhorst sagt:

Früher hat die Kirche viel über den gerechten Krieg gesprochen.
Der heilige Augustinus hat dazu Regeln aufgestellt.

Heute wissen wir:
Ein Krieg ist niemals gerecht.
Denn im Krieg verlieren am Ende alle.

Papst Leo XIV. spricht deshalb nicht vom gerechten Krieg.
Er spricht vom gerechten Frieden.

Er setzt auf:

  • Abrüstung,
  • Diplomatie,
  • Dialog.

Abrüstung bedeutet:
Es soll weniger Waffen geben.

Diplomatie bedeutet:
Staaten sprechen miteinander.
Sie suchen Lösungen ohne Krieg.

Dialog bedeutet:
Menschen reden miteinander.
Auch wenn sie unterschiedliche Meinungen haben.

Maike Seelhorst sagt:

Frieden ist ein sehr hohes Ziel.
Dieses Ziel teile ich.

Aber wir müssen auch die Wirklichkeit sehen.
Manche Staaten halten sich nicht an das Völkerrecht.
Das Völkerrecht sind Regeln für Staaten.

Manche Staaten greifen andere Länder an.
Dann braucht es Armeen.
Sie sollen Grenzen setzen.
Und sie sollen Menschen schützen.

Deshalb sagt Maike Seelhorst:

Man muss immer für den Frieden eintreten.
Aber man muss auch wissen:
Vielleicht muss man Waffen einsetzen,
um den Frieden zu schützen.

Dürfen junge Menschen zum freiwilligen Wehrdienst eingeladen werden?

Maike Seelhorst sagt:

Ja.
Aber es muss fair sein.
Und es muss eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft sein.

Junge Menschen sollen mehr mitreden können.
Das sollte schon in der Schule anfangen.

Unsere Gesellschaft ist sehr auf einzelne Menschen ausgerichtet.
Viele fragen zuerst:
Was ist gut für mich?

Dabei vergessen wir manchmal das Gemeinwohl.

Gemeinwohl bedeutet:
Was ist gut für alle?

Der freiwillige Wehrdienst soll wichtige Dinge schützen.
Zum Beispiel unsere Kultur und unsere Freiheit.

Dafür braucht man nicht nur Menschen an der Front.
Man braucht auch viele Menschen im Hintergrund.

Darum sind auch zivile Freiwilligendienste wichtig.

Zivil bedeutet:
Nicht militärisch.

Zum Beispiel:

  • Arbeit in sozialen Einrichtungen,
  • Hilfe im Katastrophen-Schutz,
  • Arbeit in Pflege oder Betreuung,
  • Unterstützung in Gemeinden.

Sollten auch Frauen freiwilligen Wehrdienst leisten?

Maike Seelhorst sagt:

Grundsätzlich finde ich das gut.

Aber Frauen und Männer sind in unserer Gesellschaft noch nicht wirklich gleichberechtigt.
Das muss man beachten.

Darum sollte der Dienst für Frauen kürzer sein als für Männer.

Maike Seelhorst sagt:

Verteidigung ist zu wichtig.
Man darf dieses Thema nicht nur Männern überlassen.

Worum geht es Maike Seelhorst besonders?

Maike Seelhorst sagt:

Frieden ist sehr wichtig.
Christinnen und Christen sollen immer für Frieden eintreten.

Aber Frieden braucht auch Schutz.
Manchmal kann es nötig sein, sich mit Waffen zu verteidigen.

Wichtig ist:

  • Krieg ist nie gut.
  • Frieden muss immer das Ziel bleiben.
  • Menschen brauchen Schutz.
  • Freiheit und Demokratie brauchen Schutz.
  • Junge Menschen sollen fair beteiligt werden.
  • Frauen sollen bei Verteidigung mitreden und mitentscheiden.
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