Mehr als ein Job

Drei Beispiele, warum sich junge Menschen für den Pflegeberuf entschieden haben

Kirchenzeitung, Pflege Azubis Kunigundenheim Krefeld  ZN9 4765

© Andreas Bischof

Hamza Abdelmalik (l.) kam für die Ausbildung nach Krefeld.

Von Chrismie Fehrmann

Krefeld/Meerbusch. Die Pflege ist weit mehr als nur ein Job. Trotz der oft schwierigen und herausfordernden Situationen bietet dieser Beruf vielfältige und oft auch erfüllende Erfahrungen. So schärft die Pflege den Blick für die wahren Werte im Leben. Es ist schön, die Patienten lächeln zu sehen, wenn sie sich über ein liebes Wort, eine nette Geste freuen. Alle Pflegepersonen helfen kranken Menschen durch schwierige Zeiten.

Die Kirchenzeitung hat sich umgehört und sowohl bei der Caritas und den Alexianern in Krefeld als auch bei Auszubildenden der Einrichtungen selbst nach der aktuellen Situation gefragt. Diese berichteten, was sie bewegt, diesen Beruf zu ergreifen.

„Bei der Caritas in Krefeld und Meerbusch haben wir aktuell 129 Pflege-Azubis – verteilt auf die verschiedenen Ausbildungsjahre. Rund 70 davon haben in diesem Jahr neu angefangen“, sagt Katja Partecke, Teamleitung Personalentwicklung beim Caritasverband für die Region Krefeld.

Es gebe eine einjährige Ausbildung zum Pflegeassistent und eine dreijährige zur Pflegefachkraft, erklärt sie weiter. „Etwa ein Drittel von ihnen macht erst die einjährige Ausbildung. In 2025 hatten wir insgesamt 111 Azubis. Leider gibt es immer wieder Azubis, die die Ausbildung abbrechen.“

Die Azubi-Zahl klinge hoch, heißt es weiter. „Aber zur Caritas gehören in Krefeld und Meerbusch sieben Altenheime, drei Tagespflegeeinrichtungen und vier ambulante Pflegestationen. Demnach würde die Caritas theoretisch auch noch mehr Azubis ausbilden. Es gebe jedoch nur eine begrenzte Zahl von Plätzen in den Pflegeschulen. „Wenn kein Schulplatz frei ist, kann die Caritas keine Ausbildung anbieten“, erklärt Partecke.

Alicia Schrader (21) und Hamza Abdelmalik (21) sind Auszubildende bei der Caritas. Beide besuchen derzeit die Pflegeschule, die Berufsschule für Pflegekräfte, an der Arndtstraße in Uerdingen. Beide brennen geradezu für den Beruf.

Kirchenzeitung, Pflege Azubis Kunigundenheim Krefeld  ZN9 4700

© Andreas Bischof

Alicia Schrader (r.) fühlt sich wohl im Kunigunden-Heim. „Ich bleibe auf jeden Fall in der Pflege“, ist sich die 21-Jährige sicher.

Schrader ist jetzt erst im zweiten Anlauf in diesem Beruf glücklich. „Ich habe meine erste Ausbildung im Pflegberuf abgebrochen, ich war noch nicht soweit. Erst als ich nach Uerdingen gezogen bin und das Kunigunden-Heim kennengelernt habe, hat es gepasst. Ich habe zuerst als Pflegehilfskraft angefangen und absolviere nun die drei Jahre zur Pflegefachkraft.“ Sie weiß, dass es danach noch weitere berufliche Möglichkeiten für sie gibt.

„Die Arbeit im Kunigunden-Heim hat mir schnell sehr gefallen“, berichtet sie. „Ich kann mit den Menschen interagieren, lernen, wie die ältere Genration gelebt hat und in guten und schlechten Zeiten helfen.“ Die Arbeit sei hart, erklärt sie ebenso. „Wir müssen auf uns achten. Es ist aber gut, den Menschen schöne Situationen zu schenken; sie frisch machen und anziehen, Essen reichen und gute Gespräche führen. Wir können helfen und empfinden auch Dankbarkeit dafür. Ich bleibe auf jeden Fall in der Pflege.“

Abdelmalik stammt aus Marokko, genau aus Casablanca. „Deutschland bietet die beste Ausbildung. Ich habe in den Beruf geschnuppert, als ich ein Praktikum bei meinem Bruder gemacht habe, der Arzt ist. Da habe ich gute Erfahrungen gemacht.“  „Dafür hat mein Vater in Marokko gesorgt. Ich habe ein privates Sprachzentrum besucht und mit Prüfung abgeschlossen.“

In Krefeld ist der Azubi jetzt in der ambulanten Pflege tätig. „Es ist schön, die älteren Menschen zu Hause zu sehen und bei den Besuchen auch die Angehörigen zu begrüßen. Die Patienten fühlen sich im gewohnten Umfeld besser.“ Der 21-Jährige will in Deutschland bleiben. „Ich finde die Kultur super, habe mich organisiert, auch wenn es hier viel Papierkram gibt“, sagt er und lächelt. „Ich habe hier Freunde gefunden und die Caritas bietet die beste professionelle Ausbildung.“

Fast täglich erhalten die Einrichtungen Anfragen von Menschen aus dem Ausland, die nach Deutschland kommen und hier eine Ausbildung in der Pflege beginnen möchten. Das ist aufgrund der gesetzlichen Vorgaben meistens nicht so einfach möglich. Das berichten sowohl die Mitarbeiter der Caritas als auch Maike Johannsen, die gemeinsam mit Dorothee Klaas die Alexianer Akademie für Pflege leitet.

„Deutschland ist ein attraktives Land für Arbeitssuchende und es werden hier Pflegeleute gesucht“, berichtet Johannsen. „Gerade hat ein Ehepaar aus Madagaskar angefragt. Wir bieten die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann sowie zur Pflegeassistenz mit einjähriger Ausbildung. 190 Menschen sind derzeit dabei. Sie kommen aus Afrika, Syrien, der Ukraine, der Türkei und Deutschland.“

Jeder der acht Kurse starte mit 28 Personen. „Manche Azubis springen ab oder sind nicht geeignet, so dass wir auch noch Schulwechsler, also beispielsweise solche aus anderen Bundesländern, aufnehmen können.“ Wie es um die notwendigen guten Sprachfähigkeiten bestellt ist, werde in Interviews vorab geklärt, berichtet sie weiter.

 

Kirchenzeitung, Azubi Juliane Kraus, Pflegeschule Maria Hi 0002

© Andreas Bischof

Maike Johannsen macht ihre Ausbildung an der Alexianer-Akademie in Krefeld.

Wer den Beruf ergreifen möchte, sollte vorher ein Praktikum oder ein Freiwilliges soziales Jahr absolvieren, um zu erfahren, ob der Pflegeberuf der richtige ist, rät Johannsen. Das sei ab dem 16. Lebensjahr möglich. „Die Bewerber müssen zusätzlich die nötige emotionale Reife haben, um mit kranken und sterbenden Menschen umgehen zu können.“

„Wir arbeiten beispielsweise eng mit unseren Partnern zusammen. Dazu zählen das Alexianer St. Tönis, die Städtischen Seniorenheime Krefeld, ein Pflegedienst, die Caritas und das Stups Kinderzentrum. Der Bund finanziert die Ausbildung. Die Leute, die lernen, bekommen ein gutes Ausbildungs-Gehalt.“

„An den katholischen Häusern werden christliche Werte vermittelt. Wir achten auf Ethik und Moral, unsere Arbeit ist geprägt vom Glauben. Zur fachlichen Kompetenz gehört die innere Haltung“, sagt die Leiterin.

Nach der Ausbildung können die Absolventen überall dort arbeiten, wo Pflege gebraucht wird. Sie können sich zusätzlich spezialisieren hin zur Stationsleitung oder zum Leiter der Akademie der Pflege. Der berufliche Weg kann beispielsweise in die Psychiatrie oder Intensiv-Medizin führen.

Juliane Kraus hat sich auch erst im zweiten Anlauf für die Pflege entschieden. „Ich wollte zuerst Gestaltungstechnische Assistentin werden. Es ist ein schöner Beruf, hat aber für mich nicht so viel Zukunft. Er wird sich durch KI drastisch verändern“, sagt die 28-Jährige Als sie ihre an Demenz erkrankte Oma gepflegt hat, stand für sie die berufliche Veränderung fest.

„Mir gefällt der soziale und fachliche Aspekt, mit Ärzten oder Physiotherapeuten im Team zu arbeiten. Für mich sind pflegebedürftige Menschen nicht nur ein Job, wir geben nicht nur die Tablette, sondern suchen das Gespräch, wollen, dass sie sich wohl fühlen. Ich möchte nach meiner Ausbildung hier am Alexianer-Krankenhaus bleiben.“

Kirchenzeitung, Pflege Azubis Kunigundenheim Krefeld  ZN9 4836

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Alicia Schrader und Hamza Abdelmalik sind Azubis bei der Caritas und besuchen die Pflegeschule in Uerdingen.

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