Eine Gemeindereferentin, ein Pfarrer - 120.000 Follower

Michelle Engel und David Grüntjens sind auf Instragram erfolgreich – und erleben, wie aus Gottesdienst, Humor und echter Nähe neue Gemeinschaft wächst.

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Dynamisches Duo: Seit sieben Jahren arbeiten Michelle Engel und David Grüntjens zusammen. Ihr Instagram-Kanal „Diokirche Krefeld“ begeistert 120.000 Follower.

Von Kathrin Albrecht

Krefeld. Michelle Engel und David Grüntjens sind im verflixten siebten Jahr. Als Gemeindereferentin und Pfarrer arbeiten sie seit 2019 in der Pfarrei Papst Johannes XXIII. in Krefeld zusammen und haben dabei, gemeinsam mit haupt- und ehrenamtlich Engagierten, einiges umgekrempelt. „Wir haben auf das geschaut, was noch gut funktioniert oder worin wir Entwicklungspotenzial sehen und sind dann diesen Weg konsequent gegangen; auch was Orte betrifft. Das hat Abschiede mit sich gebracht aber auch ganz viel Raum für Neues gegeben“, erzählt David Grüntjens. Die Sonntagsgottesdienste wurden auf eine Kirche zentriert und neu gestaltet, der Pfarreirat für alle, die sich engagieren wollten, ob gewählt oder nicht, geöffnet. „Dadurch kam ein ganz anderer Flow in das Ganze. Der Pfarreirat – heute Pfarrausschuss –besteht aus Menschen, die jeden Sonntag da sind, für die die Mitte des Gemeindelebens auch die Sonntagsmesse ist. Daraus erwächst alles andere: Kirchen-Café, Aperol und Gott, Ausstellungen, kleine Empfänge nach dem Gottesdienst, Seniorenfrühstück. Das sind neue Formate, die wir hier ausprobiert haben und die hier sehr gut angenommen werden. Auch das trägt dazu bei, dass sich die Menschen hier kennenlernen können und sich beheimaten. Wir haben uns dabei immer von der festen Zuversicht tragen lassen, dass Gott mit seiner Kirche noch viel vor hat und dass wir ein kleines Rädchen im Getriebe sein können, dass einen vitalen und zukunftsfähigen Ort mitgestalten darf“, beschreibt Grüntjens.

Für Michelle Engel ist entscheidend, „dass Menschen spüren: Hier darf ich sein, wie ich bin. Hier werde ich gesehen und ernst genommen. Und hier gibt es einen Platz für mich.“ Gerade in Kirche kämen Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten, Erfahrungen und auch ganz unterschiedlichen Zugängen zum Glauben zusammen: „Gemeinschaft muss das aushalten können und mehr noch: Sie kann genau davon leben und wird dadurch bereichert mehr denn je.“

Dazu gehört für beide auch eine echte Willkommenskultur. „Und die zeigt sich nicht in einem Schild an der Kirchentür, auf dem Herzlich Willkommen‘ steht, sondern in dem, was Menschen tatsächlich erleben“, unterstreicht Engel. Gemeinschaft brauche gemeinsame Erlebnisse, das gelte im Guten ebenso wie in Zeiten, in denen das Leben gerade nicht leicht ist. Dadurch wachse mit der Zeit etwas, was sich nicht organisieren und verordnen lasse: Zugehörigkeit. Genau darum gehe es am Ende, sagt Michelle Engel: „Dass jemand irgendwann nicht mehr sagt: ‚Ich gehe da sonntags zum Gottesdienst‘, sondern: ‚Das ist meine Gemeinde. Da sind meine Leute. Hier gehöre ich hin.‘“

Kirchenzeitung, Prozession Fronleichnam KR, Gartenstraße JF

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Wie entwickelt sich Kirche, Gemeinschaft in Zukunft? Für Pfarrer David Grüntjens (rechts) gibt es im pastoralen Raum Krefeld/Meerbusch viele Herausforderungen, aber auch viele Chancen und Beispiele, die bereits jetzt zeigen, wohin es gehen kann.

Seit sieben Jahren pflegt Michelle Engel auch den Instagram-Kanal „Diokirche Krefeld“. Als „Frengels & Chef“ begeistern Grüntjens und Engel inzwischen 120.000 Follower. Neben witzigen Clips zeigt Engel auch den Alltag in der Pfarrei, Mitschnitte aus Predigten, Feste oder den Aufbau der Weihnachtskrippe. Auch hier entstehe eine große Gemeinschaft, sagt sie: „Unsere Videos erreichen teilweise bis zu eine Million Menschen, und gerade unter den Predigten von Pfarrer Grüntjens oder meinen Impulsen kommen Menschen miteinander ins Gespräch und geben sich teilweise auch gegenseitig Halt. Und ganz viele schreiben uns tatsächlich: ,Wir verfolgen euch wie eine Serie‘.“  Dazu komme eine zweite Ebene, die der privaten Nachrichten. Menschen erzählen von Krankheit, von Beziehungen, die zerbrochen sind, von Ängsten und Zweifeln. Manche stellen auch konkrete Fragen zu ihrem Glauben: „An manchen Tagen bekommen wir 500 bis 800 Nachrichten“, sagt Michelle Engel.

Dazu zählen auch Rückmeldungen, die reflektieren, was der digitale Kontakt bewirken kann. „Menschen schreiben uns, dass sie durch uns wieder einen Zugang zum Glauben gefunden haben. Dass sie sich wieder trauen – dieses Wort benutzen sie wirklich ganz oft – in eine Kirche zu gehen oder einen Gottesdienst zu besuchen. Manche sind wieder in die katholische Kirche eingetreten. Andere sagen uns ganz offen: Ich wollte eigentlich austreten, aber durch euch habe ich mich dagegen entschieden“, beschreibt Michelle Engel.

Für sie ist Social Media eine Brücke, gerade auch für Menschen, die von Kirche enttäuscht wurden, sich nicht gesehen oder ernst genommen fühlten. Michelle Engel: „Sie können sich von zu Hause erst einmal wieder mit Glauben auseinandersetzen. Und manchmal führt dieser erste digitale Kontakt dann tatsächlich wieder in eine Gemeinde oder zu einem persönlichen Kontakt vor Ort.“ Pastoral ist Beziehungsarbeit, das gelte vor Ort wie digital. „Man muss Gesicht zeigen. Gerade wenn Menschen uns sehr persönliche Dinge anvertrauen, ist das wichtig. Sie wissen, wem sie schreiben. Da steckt nicht irgendeine anonyme Institution dahinter, bei der man gar nicht weiß, wer den Account betreut oder wie viele Menschen diese Nachricht vielleicht lesen.“

Zu der Frage, ob Kirche im digitalen Raum präsent sein sollte, hat Engel eine klare Meinung: „Wir müssen doch als Kirche dort sein, wo die Menschen sind. Ob wir das gut finden oder nicht: Die Menschen verbringen heute – jung wie alt – Stunden ihres Alltags im Internet und vor allem in den sozialen Medien. Wenn wir als Kirche genau diesen Lebensraum ausklammern, machen wir da aus meiner Sicht einen riesigen Fehler. Wir können nicht darauf warten, dass die Menschen zu uns kommen, und gleichzeitig einen Ort ignorieren, an dem sie einen großen Teil ihres Alltags verbringen.“

Seit Januar diesen Jahres ist die Pfarrei Papst Johannes XXIII. Teil des pastoralen Raums Krefeld/Meerbusch, der zugleich der größte des Bistums Aachen ist. Wie kann Gemeinschaft gelingen, wenn die Strukturen größer werden? David Grüntjens sieht es so: „Struktur alleine reicht nicht aus, da müssen auch Inhalte rein, da müssen Begleitpersonen und Verantwortlichkeiten geklärt werden. Da muss viel gesprochen und weitergegeben werden. Bei all dem sind viele Hände am Werk und das macht mir Mut, dass dieser große pastorale Raum ein Beispiel werden kann und oft auch schon ist, wohin und wie sich Kirche in die Zukunft hinein entwickelt.“

Selbst emotional aufgeladene Projekte wie das Immobilienkonzept seien von einem Geist gegenseitiger Achtung und Verantwortung vor- und füreinander durchdrungen. „Hier geht es nicht um Sieger und Besiegte, sondern um gute Zukunftsorte und auch darum, Abschiede und Trauer miteinander zu tragen und zu teilen. All das leuchtet hier auf und lässt den pastoralen Raum – bei allen Herausforderungen – als wirkliche Chance und als etwas ganz lebendiges erfahrbar werden.“

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